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Boston – europäisches Flair in den USA

Was mir persönlich im Silicon Valley oft fehlt, ist die Historie. Alles ist hier sehr schnelllebig, sehr neu, jung. Das macht zwar auch den Reiz vom Valley aus, dennoch fehlt mir als Europäer doch ab und an dieses Gefühl von… ja was eigentlich. Vergänglichkeit? Gesammelten Erfahrungen aus einer weit zurückreichenden Geschichte? Diese Ehrfurcht, die man in Europa spürt, wenn man das Kolosseum sieht oder Reste der Berliner Mauer? All das kann und habe ich auch nicht in den Staaten nicht erwartet. Dennoch wird es mir manchmal schmerzlich bewusst, dass dieses Land sehr jung ist und ich keine Michelangelos oder Goethes an jeder Ecke zu bieten hat. Vermutlich ist Europa deswegen auch ein so schöner Kontinent, da er eine Jahrtausende alte Geschichte erzählt, die sich in der Kultur, Architektur und Struktur widerspiegelt.

Umso mehr war ich überrascht, als ich in Boston bereits bei der Fahrt vom Flughafen zum Hotel Häuser in gregorianischer und viktorianischer Bauweise sah. Wenn ich im nach hinein genauer darüber nachdenke, eigentlich auch kein Wunder. Schließlich waren viele Briten in Boston und Cambridge stationiert und erschufen ihre teilweise heute noch stehenden Häuser in der ihnen bekannten Bauweise. Ende des 19. Jahrhunderts kam der Schindel Stil hinzu. Ich verbinde mit Schindeln verkleidete Gebäude meist mit dem Schwarzwald. Aber auch an der Nordamerikanischen Ostküste ist diese Bauweise sehr beliebt. Die vielen Türmchen und Erker tuen ihr Übriges dazu, mich an Europa zu erinnern. Dazu kommt, dass die Gebäude nicht wie in Kalifornien durch Erdbeben oder Stürme, Feuer zerstört wurden. Während bei uns alles sehr modern und pragmatisch gebaut wurde, haben die Häuser und öffentlichen Einrichtungen in Boston und Cambridge Geschichte. Am besten sieht man das vielleicht an Harvard.

An sich ein renommiertes Universitätsgelände, dass jedoch für amerikanische Verhältnisse mit seiner Errichtung 1636 die älteste Universität des Landes ist. In San Francisco hat das Erdbeben 1906 jedoch fast alles zerstört.

Das schöne in Boston ist, nicht nur die Gebäude sind „alt“, sondern sie sind oftmals Teil der amerikanischen Geschichte. Die Bostoner Tea Party ist vielen ein Begriff und führte letztendlich zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Sorry, liebes San Francisco und liebe Bay Area. Wenn man mal ehrlich ist, ist Boston der Grundstein des wichtigsten historischen Geschehnisses der Vereinten Staaten – der Unabhängigkeit von Europa. So viel Historie hat die Westküste nicht mal im kleinen Finger. Wobei ich gestern erst im History Museum des San Mateo County’s war und sehr viel über die Geschichte der Bay Area lernte, was auch sehr interessant war.

Ich war von Boston begeistert. Und auch Cambridge, wo Harvard und die M.I.T. (Massachusetts Institut of Technology) ihr Zuhause haben, hat mir sehr gut gefallen. Der Charles River ermöglicht beiden Städten viele Freizeitmöglichkeiten. Es ist ja bekannt, dass an Universitäten (Yale gegen Harvard ist stets das Derby des Jahres) gerne gerudert wird, aber auch Segelboot und Kayaks sind massenhaft unterwegs. Wer mehr historisches erleben will, hat in Boston allerhand Gelegenheit. Die USS Constitution liegt im Hafen als begehbare Geschichte. Die Trinity Church wird sogar auf Platz 2 der Liste von Gebäuden geführt, die die USA veränderten. Der Freedom Trail führt einmal durch die gesamte Stadt und ist 2.5 Meilen (4km) lang. Er verbindet die historischen Stationen Bostons und erzählt einmal die Geschichte der Geschehnisse in Boston, die zu Amerikas Unabhängigkeit letztendlich führte.

Mein persönliches Highlight, von dem ich jedoch rechtlich keine Fotos machen durfte und auch keine offiziellen Fotos „missbrauchen“ und hier veröffentlichen darf, war das Mapparium. Ich habe sowas noch nicht gesehen und war völlig beeindruckt. Es gibt in Boston die Mutterkirche der Ersten Kirche Christi, Wissenschaftler – Wissenschaftler, die sich religiös zu einer Kirche zusammenschlossen. In ihrer angeschlossenen Bibliothek hat der Architekt Chester Lindsay Churchill einen begehbaren Globus aus Glas erschaffen. Man geht durch eine Türe auf eine gläserne Brücke und steht im Inneren des Globus, der die Weltkarte noch nach dem politischen Schema von 1932-1935 (Bauzeit) zeigt. Die Akustik ist durch den geschlossenen runden Raum einmalig. Das leiseste Flüstern am einen Ende der Brücke kann man am anderen Ende verstehen, als wenn es ins eigene Ohr geflüstert worden wäre. Ich finde es derart schade, dass ich die Bilder hier nicht veröffentlichen darf… Aber da mich dieses Kunstwerk derart faszinierte – hier noch einmal der Link. Unten ist auf der Seite auch eine Galerie. Faszinierend. Der Globus verfügt auch über verschiedene Lichteinstellungen, die den Tag/Nacht Verlauf der Erde darstellen. Einfach toll!

 

3 Gedanken zu “Boston – europäisches Flair in den USA

  1. WoMolix schreibt:

    Ja, die Amerikaner haben sich einiges einfallen lassen um die fehlende Geschichte etwas zu kompensieren. Sie haben sogar kleine Schlösschen in Europa abbauen lassen und bei sich wieder aufgebaut. Letztlich ist das nur „geklaute“ Geschichte. Und die fehlende Geschichte ist für viele Amerikaner quasi traumatisch. Ihnen fehlt so was wie Wurzeln. Und bei uns? Da haben manche das Gefühl, dass sie diese Wurzeln nicht loslassen und empfinden diese Wurzeln als ein Gedankenkorsett.
    Ich simme dir aber zu, ohne diese Wurzeln fühlt man sich manchmal etwas verloren.
    LG WoMolix

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