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Todesmutig! Mein erster Zahnarzt-Besuch in den USA

Ja. ich gestehe. Ich gehöre dazu. Zahnärzte sind nicht meine liebsten Freunde und ja, ich habe jedesmal ein flaues Gefühl im Bauch. Dabei habe ich gute Zähne. Mein letzter Karies ist über 20 Jahre her und dabei soll es auch bleiben!

Nun plagt mich doch tatsächlich seit einigen Wochen ein stechender Schmerz hinten im Kiefer, wenn ich auf etwas Hartes beiße. Nach nur 4 Monaten USA muss ich mir doch tatsächlich in Kalifornien einen Zahnarzt suchen. Bilder, von Patienten mit Lachgasmasken schwirren vor meinem inneren Auge umher und ich bekomme schon leicht den Angstschweiß. Aber wenn ich eins gelernt habe, dann ist es gesundheitliche Probleme nicht aufzuschieben, bis du wirklich Schmerzen hast und zum Notfall wirst. In meinem jetzigen Stadium könnte ich einem Zahnarzt-Metzger wenigstens noch vom Stuhl springen! Also ging ich die Herausforderung todesmutig an.

Die erste Frage, die sich mir stellte war, „Wie finde ich überhaupt einen guten Zahnarzt?“. Den Fehler, in irgendwelchen Foren nachzufragen, habe ich schon öfter gemacht. Am Ende hast du 20 Empfehlungen, kein Arzt ist in deiner Nähe und wenn du weiter nachfragst, hatten die Empfehler auch nie eine richtige Behandlung, sondern waren nur zum Kontrolltermin. Also ging ich über Google Maps an die Sache ran. Ich suchte mir klassisch eine Zahnarztpraxis in meiner Nähe und las die Bewertungen. Am Ende fand ich einen Zahnarzt direkt 500m weiter, der 12 Bewertungen hatte und alle mit voller Punktzahl. Da sich auch einige zahnmedizinischen Sanierungsfälle positiv zeigten, ging ich kurzentschlossen dazu über, in der Praxis einen Termin zu machen. Hendrik war es letztendlich, der mich als „todesmutig“ bezeichnete, weil das Wasser uns beiden verdammt tief und kalt vorkam, in das ich bereit war, zu springen. Aber hilft ja nix.

Nach einem netten Anruf in der Praxis und einem ziemlich informativen Austausch mit „Pam“ über meine Versicherung und was diese übernimmt, bekam ich nach nur 2 Tagen einen Termin. Davon kann man in Deutschland nur träumen. Ohne Notfall zu sein, musste ich teilweise 3-4 Monate auf einen Termin warten. Ich muss sagen, bei allen Ärzten in den USA habe ich bisher innerhalb von Tagen einen Termin vereinbaren können.

Und dann kam die Stunde der Wahrheit. Die Zahnarztpraxis ist sehr sauber und freundlich eingerichtet. Pam übergab mir das übliche Sammelsurium an Fragebögen, die man beim Erstbesuch einer Praxis ausfüllen muss. Hier werden die gesundheitlichen Risiken und Probleme erfragt, aber auch die Versicherung genau überprüft, Privatsphäre-Vereinbarungen unterschrieben, etc.

Danach kam „Manny“ und holte mich ab. Er war mein zahnmedizinischer Prophylaxe-Assistent. Im Gegensatz zu Deutschland übernimmt dieser in den USA jedoch weit mehr Aufgaben. Jedes Jahr werden Röntgenbilder des Kiefers gemacht. Auch die Überprüfung des Zahnfleisches und des gesamten Mundinnenraums übernimmt nicht der Zahnarzt, sondern eben der Prophylaxe-Mitarbeiter. Dabei wird sogar die Zunge in Stoff gelegt und dann nach links und rechts gezogen, um in den Mundraum dahinter oder darunter zu schauen. Fand ich erst etwas irritierend, aber solle wohl der Krebsvorsorge bzw. Kontrolle dienen.

Es wurde von Manny auch automatische eine vollständige Zahnreinigung gemacht, während wir uns wirklich sehr nett unterhielten – so weit das mit offenem Mund eben möglich ist. Die amerikanischste Frage war, welchen Zahnseidengeschmack ich denn gerne möge. Minze sei leider aus, aber er habe Erdbeere, Orange, Piña colada. Ich war „fancy“ und dachte, wenn schon keinen richtigen Cocktail, dann wenigstens den Geschmack!

Erst ganz am Ende der Untersuchung kommt der wirkliche Zahnarzt. Manny brachte sie kurz auf den Stand meines Gebisses und sie ging daraufhin über die Röntgenbilder, schaute sich meine angemerkte Stelle an, machte 1-2 Tests und fertig. Diagnose: eine alte Füllung muss raus. Gesagt getan. Zuerst einmal wird geprüft, wie viel von der Behandlung deine Versicherung übernimmt. In den USA keine Selbstverständlichkeit! Dann erst die Behandlung. Vor der eigentlichen Spritze, bekam ich ein Wattestäbchen mit Erdbeergeschmack in den Mund als Vorbetäubung. Dann kam die örtliche Narkose mittels Spritze, die man tatsächlich nicht mehr spürt. Alles andere unterscheidet sich nicht von einem deutschen Zahnarzt. Ich habe nun eine hübsche neue Füllung und bin  damit „good to go“. Kosten: $29.66. Erleichterung: 100%. Und Lachgas: 0.

7 Gedanken zu “Todesmutig! Mein erster Zahnarzt-Besuch in den USA

    • Nadja schreibt:

      Ohje! Da musst Du Dir aber wirklich keine Sorgen machen. Ich würde sogar sagen, sie sind moderner als deutsche Praxen. Viel wird dir zur Porphylaxe angeboten, wie Versiegelungen ehe man wirklich Karies bekommt. Die Röntenbilder machen sie nur einmal pro Jahr. Ich finde das sehr gut, weil man so Kieferentzündungen oder fehlerhafte Füllungen besser diagnostizieren kann. Meine Ärztin macht auch immer Fotos meiner Zähne, damit ich vor evtl. Behandlungen das Problem wirklich sehen kann. Und ehe was behandelt wird, bekommst Du immer einen Kostenvoranschlag. Ich kann nur sagen, ich gehe sehr gerne zu meiner Zahnärztin.

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  1. Wallner Robert schreibt:

    Die Kosten überraschen mich. Ich war vor Tagen beim Zahnarzt nachdem beim ‚front tooth‘ ein teil ausgebrochen ist (chipped off) und habe $ 471,– bezahlt. Limited oral exam war $ 103,–, X-ray $ 47 und resin 2-surfaces der Rest.
    Die Kosten von unter $ 30 sind nicht glaubwürdig./… ich nehme an eine Versicherung hat den Rest übernommen

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    • Nadja schreibt:

      Natürlich hat die Versicherung den Rest übernommen. Ich habe auch mehrfach geschrieben, dass vor Behandlung Pam prüfte, was die Versicherung übernimmt. Und ja, es ist keine Selbstverständlichkeit. Was ist daran nicht glaubwürdig?

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