Silicon Valley, Preise, Lebensunterhaltskosten, Lebensunterhalt, Gehalt, Preise, Lebensmittel, Miete, San Francisco, Kalifornien, California, Preise Lebensmittel, Gehälter, Stundensatz

Was kostet eigentlich Kalifornien?

Im Ausland sind nicht nur die Sitten und Gebräuche anders. Viele wandern aus, um sich finanziell zu verbessern. Wer jedoch ins Silicon Valley zieht, wird sehr schnell lernen, dass nicht nur die Gehälter anders sind, sondern eben auch die Preise. Kalifornien ist an sich schon im Vergleich zwischen den einzelnen Staaten teurer. Jedoch wenn man aus Europa kommt, trifft einen nochmal doppelt der Schlag. Viele Preisschrauben, an denen hier in den USA gedreht wird, gibt es bei uns per Gesetzt nicht. Bereits unter den Karolingern (11. Jahrhundert) wurde definiert, was ehrbare Tätigkeiten sind. Jeder, der sein Geld durch Zinsen oder Gebühren verdiente, war abtrünnig.Wucherer waren des Teufels und wurden leider nicht selten sogar hingerichtet, wenn der Zinssatz am Ende nicht mehr stimmte. Seit dem Mittelalter fanden die ersten Gesetze ihren Einzug in unsere europäische Rechtsprechung, was erlaubt und als zulässig anzusehen ist. Wir haben Höchstzinssätze festgelegt, maximale Wertsteigerung oder Zulässigkeit von Gebühren, die an den Verbraucher abzugeben sind. In den USA ist das schlichtweg anders.

Verkaufssteuer = Mehrwertsteuer 

In einem so jungen Land, wie den USA, gibt es eine solche Beschränkung des Marktes kaum bis teilweise gar nicht. Das heißt kurzum, man kauft nie zu dem vorher im Laden gesehenen Preis. Zuerst einmal sind Preisauszeichnungen im Geschäft stets ohne Steuern. Jeder Staat hat seine eigene gesetzliche Regelung, wie hoch, wenn erhoben, die Verkaufssteuer ist. California, also Kalifornien, ist mit bei den Spitzenreiter unter den Bundesstaaten mit staatenweiten 7.5%. Staatenweit? Ja. Es gibt Bundesstaaten, die nicht staatenweit Sales Taxes (Verkaufssteuern) erheben (z.B. Alaska oder Oregon), sondern dieses Recht vollständig an die Gemeinden abgeben. Was jedoch nicht heißt, dass wir in Kalifornien nur die bundesstaatlichen Sales Taxes bezahlen. Selbstverständlich kommen hier am Ende nochmals lokale Steuern hinzu. Mehrwertsteuer, USA, sales taxes, Bundesstaaten, Vergleich, Auswandern, kosten, preisvergleich, gebühren

Das führt dann dazu, dass wir in Kalifornien also immer am Ende an der Kasse 7.5% staatliche Steuern zahlen, hinzu kommen nochmals lokale Steuern, was uns am Ende im Staaten-Durchschnitt auf 8.44% bringt. In Tennessee kommt man sogar auf 9.45%, wenn man alle durch die Gemeinden erhobenen Steuern auf Landesebene hochrechnen würde. Verrückt?! Wer ist noch genauer wissen will, kann es gerne hier bei der Taxfoundation nachlesen.

Im San Francisco County beträgt die zum Beispiel die Sales Tax 8.75%. Im Santa Clara County ist es ebenfalls 8.75%. Im San Mateo County sind es dann schon 9%. Verrückt? Ja! In jedem Fall!

Fees = Gebühren

Dazu kommen Gebühren für so ziemlich jeden Handschlag, den irgendwer macht. Du hast eine Monatsabrechnung Deines Vermieters bekommen? Billing Fee (Rechnungsstellungsgebühr) 8 USD. Du hast diese Rechnung per Abbuchungsermächtigung bezahlt? Collecting Fee (Abbuchungsgebühr) 12 USD. Du ziehst aus und bekommst eine Endabrechnung? Na, rate mal! Es kommt eine Final Bill Fee hinzu. die kann schon mal höher ausfallen, da ja Sonderfall: 22 USD.

Man bezahlt Unternehmen, für deren Dienstleistung. Und dann kommt noch eine Gebühr hinzu, dafür dass sie diese Dienstleistung erbracht haben oder Du sie für diese Leistung bezahlst. Das ist wirklich Gang und Gäbe. Du beauftragst den Pizza Express? Hier schlägt der Dir am Ende noch eine Lieferungsgebühr von 5 USD drauf. Ich würde das verstehen, wenn es ein Restaurant ist, dass extra einen Fahrer hat. Aber hier ist es ein Unternehmen, das Essenslieferungen anbietet und mir am Ende dafür eine Gebühr berechnet. Nun denkt man, dass dann das gelieferte Essen wenigstens genauso viel kostet, wie wenn ich es selber abhole oder dort gar esse. Pustekuchen. Natürlich wurde auf das Essen schon 10-15% aufgeschlagen, weil es ja geliefert wird. Man bezahlt also doppelt. Verrückt?! Ja! Und selbst wenn man selber abholt, kommt noch eine Handling Fee (Bearbeitungsgebühr) vom Restaurant dazu. Und am Ende bitte noch Trinkgeld

Bei uns völlig undenkbar, da der Verbraucherschutz in Europa großgeschrieben wird. Ein tolles Recht! Man weiß es im Ausland gleich viel mehr zu schätzen. Wie oft ich Transaktionen im letzten Moment abbreche, weil plötzlich Gebühren auftauchen, die den Kauf derart überzogen teuer machen…

Lebensmittelpreise sind regional sehr unterschiedlich

In Kalifornien wird trotz der Dürre sehr viel Landwirtschaft betrieben, was ein bedeutendes Standbei der lokalen Ökonomie darstellt. Hier ein Wikipedia-Auszug: „Als von den USA losgelöster Einzelstaat wäre Kalifornien weltweit die achtgrößte Wirtschaftsmacht nach den USA selbst, Japan, China, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien….{Hier wird} Anbau von Baumwolle, Gerste, Weizen, Mais, Reis, Hafer, Bohnen und Zuckerrüben betrieben. Von Bedeutung ist auch der Südfrucht- und Gemüsebau im kalifornischen Längstal mithilfe künstlicher Bewässerung sowie die Vieh- und Geflügelzucht und die Fischerei. Der Weinbau in Kalifornien ist ebenfalls bedeutend. Etwa 90 Prozent der gesamten Weinproduktion der USA stammen aus Kalifornien.“

Nach solchen Informationen würde man glauben, die Lebensmittelpreise speziell für die lokal angebauten Produkte wären erschwinglich. Dem ist auch so im weitesten Sinne von Kalifornien. Dieser Bundesstaat ist jedoch flächenmässig größer als Deutschland und die Schweiz zusammen. San Francisco und der Großraum hiervon ist mit die teuerste Region der Vereinigten Staaten. Unsere Nachbargemeinde „Atherton“ führt seit 2014 als Spitzenreiter bei Forbes Magazin als teuerste Postleitzahl der USA. Beverly Hills war hier 2015 nur auf Rang 14.

Es gibt eine Website, auf der man die durchschnittlichen Preise auf US-Gemeinde-Ebene vergleichen kann. Ich nahm die zwei bekanntesten Städte in Kalifornien als Grundlage: Los Angeles vs. San Francisco:

Kosten, Preise, Lebenshaltungskosten, Kalifornien, California, USA, Steuern, Mehrwertsteuer, Miete, Lebensmittelpreise, Los Angeles, San Francisco, Silicon Valley

Um es kurz zu machen – alles ist in Los Angeles billiger, außer einem einzigen Produkt:

Preisstruktur, Lebensmittelpreise, San Francisco, Los Angeles, Supermarkt, Lebensunterhaltungskosten, Kalifornien

Importiertes Bier ist als einiges Produkt in San Francisco billiger, als in Los Angeles

Als Hausfrau muss ich sagen, diese hier angegebenen Preise sind längst nicht die Spitze des Eisbergs. Gerade Lettuce, also ein Salat kostet hier locker 5 USD, obwohl er nur 25km weiter angebaut wird.

Preisvergleich Deutschland zu Kalifornien

Die Lebensmittelpreise sind bereits haarsträubend. 4 EUR würde die deutsche Hausfrau nur für 12 Bio-Eier ausgeben. Hier sind das aber wirklich die billigsten. Willst Du hier Organic-Eier, kostet das Dutzend $7.89 natürlich wieder ohne Steuern. Diese Kosten sind jedoch noch nichts im Vergleich gegen die Hygieneprodukte. 3xOral B austauschbare Zahnbürstenköpfe für elektrische Zahnbürsten kosten bei dm in Deutschland online EUR 10.45. Bei CVS in den USA kosten die gleichen Aufsätze natürlich ohne Steuer online USD 30.49 – also das Dreifache. Nivea Duschgel bei dm EUR 1.55, bei CVS in Kalifornien USD 8.99 – über dem Vierfachen. Zum Vergleich auch gerne mal ein US Produkte; Colgate Zahnpasta bei dm EUR 1.15 (75ml) in den USA USD 1.35 (30ml), aber leider ist her auch nur die Hälfte drin!

Silicon Valley und seine Preise

Das Silicon Valley ist in einer Preisspirale, die von vielen Parteien gedreht wird. Supermärkte, Hausbesitzer, Gastronomie, Einzelhandel, der Dürre…. jeder will und muss verdienen. Wir zahlen hier alle die gleichen Preise. Was sich ein qualifizierter Angestellter noch leisten kann, ist für die Kindergärtnerin um die Ecke völlig unbezahlbar. Wenn wir abends mit dem Taxi (Uber) heimfahren, ist es nicht selten, dass wir Geschichten hören, dass diese Fahrer extra aus Sacramento (145km entfernt) anreisen, nur um am Wochenende mit Taxi fahren Geld zu verdienen. Wenn man dann naiv fragt, ob sich das wirklich rentiert, hört man, dass diese Leute zwei Nächte im Auto schlafen, damit es sich eben rentiert…

Wohin diese Preisspirale führt, ist niemandem klar. Die Mieten sind erbarmungslos. 2-Zimmer Wohnung mit 50qm kalt durchschnittlich 3.000 USD. Und was das für Bruchbuden sind bei diesen Mieten.. Die Geschichten, dass hier Leute im Auto leben, auf Parkplätzen campieren – alle wahr. Alles schon gesehen. Und das sind nicht die Ärmsten, denn diese stehen auf der Straße. Manchmal von einem Tag auf den anderen. Wen hier die Ökonomie hart erwischt, rappelt sich kaum wieder auf. Dafür ist dieses Pflaster rund um San Francisco und dem Valley zu hart. Ohne Kündigungsfristen und finanzielle Absicherung geht der soziale Abschied unwahrscheinlich schnell.

Das Leben im Silicon Valley ist hart. Vor allem für die, die nicht auf der sonnigen Seite des Lebens stehen. Jedoch gibt es Unternehmen und vor allem Menschen, die sich vorgenommen haben, dagegen etwas zu unternehmen. Facebook hat 20 Millionen USD für Wohnungsbauprojekte zur Verfügung gestellt, die „erschwingliches Wohnen“ garantieren sollen. Tatsächlich werden diese Wohnungen dann nur Einkommensschwächeren zur Verfügung gestellt. Auch gibt es Wohlfahrtsunternehmen, die Häuser für einkommensschwache Familien aus Spendengeldern bauen. Viele Gemeinden lernen langsam um und ziehen große Projekte zur Vermeidung von Obdachlosigkeit auf. Die Gemeinden im Silicon Valley haben sich auf ein deutlich höheres Limit für Stundensätze geeinigt. In Kalifornien sind 10 USD das Mindestgehalt. Gemeinden, wie Mountain View (u.a. Google) oder Palo Alto (u.a. Tesla) haben jetzt bereits auf 11 USD Mindest-Stundensatz erhöht, wobei das Silicon Valley  2018 auf 15 USD gehen werden.

All das sind erste Maßnahmen mit unterschiedlichen Ansätzen. Jedoch sieht man, die Branche hat ihre Verantwortung erkannt und greifen ein. Es wird dauern, ehe diese Preisspirale durchbrochen ist und das Leben hier wieder für alle Menschen in unserer Gesellschaft wieder bezahlbar wird. Immerhin ist ein Anfang gemacht.

3 Gedanken zu “Was kostet eigentlich Kalifornien?

  1. Dr. Bernhard Jankowsky schreibt:

    Die USA sind also das Land der unbegrenzten (Steuer-)Möglichkeiten. So extrem und unübersichtlich hätte ich mir das Steuersystem wirklich nicht vorgestellt…
    Kurzum: ein sehr informativer Artikel. Glückwunsch!

    Gefällt 1 Person

    • Nadja schreibt:

      Danke Danke! 🙂 Ja… es gibt nichts, das es nicht gibt hier… Traurig, aber wahr. Und das ist nur die Steuer. Wenn ich mal das Krankenversicherungssystem besser verstanden habe, erzähle ich mehr davon. Hahahaha

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s