Wie konnte Trump nur gewinnen…

Viele meiner deutschen Freunde haben mich gestern angeschrieben und schockiert gefragt, „wie konnten die so einen wählen?!“ Und auch mir ging es ähnlich, als ich Dienstagabend die reinkommenden Auszählungen sah und das Disaster sich vor meinen Augen entfaltete… Ich saß vor mehreren Nachrichtensendern gleichzeitig, rechnete hier, rechnete da… und irgendwann war die Gänsehaut so groß… Hillary schafft es nicht. Das war ein Schock. Und es ist noch immer ein Schock.

 

Ich habe mir viele Zahlen angeschaut, Statistiken, Analysen… Es bleibt, wie es ist. Amerika ist tief gespalten. Die Meinungen, worüber dieses Land gespalten ist, gehen jedoch auseinander.

Die Rolle der Frau in den USA

Es gibt eine Bevölkerungsgruppe, die die Wahlniederlage von Hillary Clinton nur darin begründet sehen, dass sie eine Frau ist. Wir können uns jetzt über Emanzipation streiten oder auch um das Frauenbild der amerikanischen Männer. Fakt ist, Frauen haben das Verhalten und die Äußerungen von Donald J. Trump wohl als nicht belastend genug empfunden, um seine Präsidentschaft zu verhindern. Die amerikanischen Frauen haben sich nicht deutlich gegen den Sexismus oder die Diskriminierung gestellt. Das ist für mich eine völlig beunruhigende Haltung, da es bedeutet, wir Frauen scheinen diese sexistische und erniedrigende Haltung von Männern uns gegenüber zu tolerieren.

Eigentlich hätten diese Äußerung eines zukünftigen Präsidenten schon jede Frau zu einer Protestwahl treiben sollen. Keiner Frau kann es in dieser reichen Gesellschaft so schlecht gehen, dass man ein solches Frauenbild in einer entwickelten Gesellschaft ignorieren oder unterstützen sollte. Sollte einer dieser republikanischen Frauen sich in den nächsten Jahren über geringere Gehälter, schlechtere Jobperspektiven oder sexuelle Belästigungen beschweren – sorry, no Mercyscreen-shot-2016-11-10-at-10-31-16-am

Diskriminierung ethnischer Bevölkerungsgruppen

Wir reden immer vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten, dem Land der Freiheit, alle sind gleich… Ich persönlich halte das für einen Haufen Mist. Es ist ein Land mit ganz klaren Grenzen (das jetzt eine Mauer baut…), mit deutlich erkennbarem Rassismus in der Gesellschaft und keineswegs Chancen für jedermann. Hier wird ganz klar nach Hautfarbe, Geschlecht, Einkommen unterschieden. Nicht ohne Grund gibt es so viele Anti-Diskriminierungsgesetze, deren Einhaltung zwar einklagbar ist, aber wenn man mal ehrlich ist, keinem wirklich Recht verschaffen.

Und genau das spiegelt sich in den Wahlergebnissen wieder. Weiße stellen übrigens knapp 75% der US Bevölkerung. Wenn dann hiervon auch noch 58% Republikanisch wählen, ist die Wahl bereits fast entschieden. Der propagandistische Rassismus, den Trump im Wahlkampf zeigte, war so ziemlich sein einzig notwendiges „Argument“, um die Wahl zu gewinnen. 

Afro-Amerikaner sind ca. 12% der Bevölkerung, Latinos bzw. Hispanics ebenfalls 12%, asiatischer Abstammung sind nur knapp 4%.

Wer sich also für die Gleichstellung der Menschen in den USA einsetzt, hat eigentlich schon verloren, da das Stimmenverhältnis „gegen“ die weiße Bevölkerung nicht für eine Sieg ausreicht.

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Die Reichtumsverteilung in den USA

Es ist vielleicht eine der deutlichsten Zahlen. Weiße haben schlichtweg mehr Vermögen. Warum? Weshalb? Sicher nicht, weil in den USA alle so gleichgestellt sind.

Vor der Wahl gab es viele Reportagen. Ich mochte die Dokumentation von Markus Lanz „Amerika ungeschminkt“. Die Reportage ist noch bis zum 27. Januar 2017 in der Mediathek hier verfügbar. Es werden Superreiche interviewt, aber eben auch Randgruppen, Minderheiten, Opfer der Finanzkrise. Im Grunde wollen alle wohlhabend bleiben oder wohlhabend werden. Das kann man ja auch verstehen. Aber wenn das der einzige Grund für eine Wahlentscheidung ist, so kann ich auch hier nur sagen – sorry, no Mercy. Wer zu viel will und nicht zu schätzen weiß, was er hat, hat nichts verdient.

Je mehr Geld der Wähler hat, umso eher wählte er Trump anstatt Clinton.

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Der herbeigesehnte Wandel

In jedem Fall ist es unbestreitbar, dass eine Wahl immer einen Wandel ermöglicht. Manchmal wählen die Leute einen Wandel, wie bei Obama, weil sie kriegsmüde sind. Nun wählen die Menschen einen Wandel, weil sie in den letzten 8 Jahren für sich keine spürbare Verbesserung erzielten.

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Der „Protest-Wähler“ ist in meinen Augen der schlimmste und auch dümmste Wähler. Es zeigt, dass der Mensch keine Reflexion der Gesamtsituation im Land unternimmt, sondern eine ich-bezogene. In meinen Augen ist jedoch nicht die Politik eines Landes für die Verhältnisse in meinem Haushalt zuständig. Wenn ein Hartz IV-Empfänger gegen die SPD stimmt, weil die ihm nicht mehr sozial genug die Bezüge erhöht, so ist das schlichtweg dumm. Nun ist es leicht zu sagen, alle Trump- und AfD-Wähler sind dumm. Meist sind auch deren Argumente so offensichtliche Beweise fehlender Bildung, dass es einem schwer fällt, noch Verständnis für so hanebüchene Argumentationen zu haben. Aber angesichts der Zunahme des Wunsches nach Wandel in der Gesellschaft, können wir uns nicht verschließen uns anzuhören, was sich denn nun eigentlich ändern soll.

In den USA ist das relativ einfach. Einen Sozialstaat gibt es nicht. Man stimmte für die Ausgrenzung von Minderheiten, für die Abschottung des Landes zum internationalen Handel, für die Sicherung der Waffenlobby und die Kleinhaltung der Armen.

In Europa sieht es nicht anders aus. Sie ziehen die Grenzen wieder hoch, verjagen Opfer eines menschenverachtendes Krieges, sehen nur Schmarotzer in jedem Ausländer. Viele informieren sich noch nicht einmal über die Aufenthaltsbedingungen oder Rechte der Flüchtlinge, geschweige denn ihre Religion. Aber „Diebe“ sind sie alle. Man geht mit Fackeln auf die Straße, versucht Heime mit Menschen darin niederzubrennen, greift andere Menschen (ja, es sind MENSCHEN) mit Messern an und attackiert sie. Und warum und von wem? Diese Menschen repräsentieren nicht das Europa, in dem ich lebte. Und dennoch gewinnen sie in vielen Ländern an Macht. Wen das nicht an eine bestimmte deutsche Epoche erinnert… jedoch sind die, die da heute mit marschieren, sich sehr wohl bewusst, dass sie sich wie damals verhalten und sie sind stolz darauf. Die Frage ist nun, wie stolz ist der andere Teil der Bevölkerung? Schweigen wir wieder? Im Moment sieht es danach weltweit aus… Und auch hier kann ich dann nur zu allen sagen, die sich diesen „Wandel“ herbei sehnen, sorry. No Mercy.

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