10 Tipps: Wie flirte ich mit einem Amerikaner

Mich schrieb schrieb kürzlich Julia von Italien und ich mit einer ziemlich lustigen Idee an. Sie schrieb einen Blogartikel mit 10 Regeln zum Daten deutscher Frauen und fragte mich, ob ich nicht auch etwas dazu schreiben möchte. Jörg aus Tobago hat ebenfalls bereits aus seiner Wahlheimat berichtet. Nun bin ich bekanntlich sehr glücklich mit einem Deutschen verheiratet, aber ich dachte, ich kann zumindest Flirt-Tipps geben.

  1. Lächeln

    Egal ob Du eine Amerikanerin oder einen Amerikaner anflirtest, lächeln ist hier oberste Devise. Und ich meine nicht das versteckte, schelmische Lächeln, das der zurückhaltende Europäer gerne an den Tag legt. Amerikaner lieben es zu lächeln und je breiter es ist, umso auffordernder ist es für Dein Gegenüber. Wirklich. Es kann gar nicht breit genug sein. Manchmal muss ich lachen, weil ich denke, „das muss doch wehtun!“. Sie schaffen es sogar die untere Zahnreihe und die Backenzähne zu zeigen. Aber hey! Dieses Lächeln ist nicht zu übersehen und ein so deutliches Signal, dass es meist sogar schon der erste Schritt zur Gesprächsaufnahme ist. Nur fragt jetzt bitte nicht nach dem Zahnarzt, der für das meist gebleichte Weiß zuständig ist… Ich kann Euch sagen, das wäre kein Erfolg.

  2. Tuchfühlung

    Am Anfang wunderte ich mich immer etwas, wenn mein Mann und ich irritierte Blicke ernten, sobald wir uns an den Tisch im Restaurant setzten. Ich persönlich schaue gerne meinem Gegenüber in die Augen. Man kann so herrlich kokettieren oder sich in den Augen des anderen verlieren, wenn man so richtig in der Flirtphase ist. In den Staaten hingegen spricht der Körper, denn es ist allgemein üblich, sich als Pärchen oder eben Flirt nebeneinander zu setzen. So lässt sich natürlich viel leichter Tuchfühlung aufnehmen. Etwas, das ich als Deutsche tatsächlich in dem Stadium eher nicht mag. Aber Amerikaner gehen nach Stufe 1, dem Mega-Lächeln ziemlich schnell zu Stufe 2, der Tuchfühlung.

  3. Smalltalk

    Es ist nun wirklich gar kein Problem, in den USA mit jemandem ins Gespräch zu kommen. Nicht wie in Deutschland, wo man erst 1-2 Stunden den Blickkontakt aufrecht erhält. In den Staaten ist es Gang und Gäbe sich anzusprechen, miteinander zu quatschen und man sieht sehr schnell anhand des Lächelns (siehe Punkt 1), ob derjenige Interesse hat oder nicht. Es gibt hier auch kein „zu offensiv“, wie in Deutschland. Man versteckt nicht sein Interesse am anderen. Ein Korb ist sportlich zu sehen und wird auch anstandslos akzeptiert. Frau sollte diesen jedoch bei keinem Interesse auch sehr deutlich äußern. Unsere deutsche Art freundlich zu bleiben, irritiert amerikanische Männer. Sie sind deutliche Ansagen in diesem Stadium gewohnt und machen einfach weiter, wenn sie das Desinteresse nicht verstehen.

  4. Lass es langsam angehen

    So leicht die erste Kontaktaufnahme auch fällt, es gibt ein paar kleine Regeln, worüber man spricht und worüber nicht. Meidet einfach Themen wie Politik oder Religion. Bedenkt, Euer Gegenüber kommt aus einem Land, in dem  über 40% glauben, die Welt ist max. 6000 Jahre alt und Gott erschuf die Menschen zur gleichen Zeit, wie die Dinosaurier, die Bibel ist faktisch 1:1 wahr und es laufen tatsächlich Prominente hier rum, die auf Twitter verbreiten, die Welt sei eine Scheibe… Also immer schön langsam oder Euer Flirt endet hier im schlimmsten Fall (wobei es jedem persönlich überlassen ist, ob das nun in diesem Falle wirklich schlimm wäre…).

  5. Prince Charming

    Volles Programm ist angesagt! Mit dem Auto abholen, Blümchen dabei haben, Türe aufhalten, der Dame den Vortritt lassen, aus der Jacke helfen, die Bestellung für sie übernehmen, das Dessert teilen. Eben volle Charme-Offensive wie vor 100 Jahren! Das muss einem liegen. In Amerika ist man gerne in vielen Punkten „over the top“. Und bei einem anständigen Date darf es gar nicht kitschig genug sein.

  6. Wer zahlt eigentlich die Rechnung?

    Ja, das ist tatsächlich ein „Thing“ hier. Während bei uns Frauen sehr emanzipiert und selbstständig sind, so sind Amerikanerinnen hingegen gerne das schwache Geschlecht. Nicht, dass sie unselbstständig sind, wenn es drauf ankommt. Aber wenn es um die Beziehung zwischen Männer und Frauen geht, so spielen die Frauen gerne den schwachen Part und die Männer lieben es, den Beschützer und Ernährer zu mimen. Soll der Flirt funktionieren, so deute evtl. an, dass Du Halbe/Halbe machen würdest, aber lass gerne den Widerstand sinken, wenn er das Zahlen mit männlicher Inbrunst übernehmen will.

  7. Ist nach dem Date, vor dem Date?

    Wenn eine Amerikanerin kein Interesse hat, zeigt sie das ihrem Gegenüber sehr deutlich. Wenn man zum Beispiel auf der Straße angesprochen wird und kein Interesse an dem Flirt hat, ignoriert man denjenigen einfach. Mach bloss nicht den Fehler Augenkontakt aufzunehmen… So läuft es auch bei einem Date. Es läuft garantiert nicht rund, wenn Dein Flirt ständig das Handy checkt, keine Nachfragen stellt oder einfach nur „freundlich lächelt“, was in Europa jedoch schon als gutes Zeichen gedeutet werden würde. Denkt dran, man ist hier gerne für europäische Verhältnisse etwas übertrieben. Sollte Dir Dein Date in irgendeiner Weise zurückhaltend vorkommen, so ist das eher ein Indiz, dass es kein zweites Date gibt. Da Dein Gegenüber jedoch nicht weggelaufen ist… stell Dich auf die Frage nach Sex am Ende des Abends ein. Ja. So prüde sind Amerikaner nämlich gar nicht. Sollte es nicht für eine Beziehung reichen, so kann es ja immer noch für Sex reichen. Und diese Frage stellen nicht nur Männer. Mir kaute schon ein Mann das Ohr ab, weil ja so viele Frauen „nur“ Sex von ihm wollen und er da ja gar kein Interesse dran habe… Das war natürlich nur eine Anmache meiner Person, die ich schnell mit „ich bin verheiratet“ konterte. So schnell wie ich den los war…. hahahaha Aber ja, Sex ist hier ziemlich locker, was leider auch ein Grund für die vielen Singles hier ist.

  8. Bloss nichts zerreden!

    Alles hat geklappt und Ihr seid über die berühmten ersten 3 Dates hinaus? Während wir Deutschen ja gerne Klarheit haben, so gerne bleiben Amerikaner lieber im Unklaren. Bitte fangt nicht an den derzeitigen Beziehungsstatus diskutieren zu wollen. Das macht man schlicht weg nicht. Die Handlungen zeigen einem hier, ob derjenige weiterhin interessiert ist. Ich traf mich mal mit einer Amerikanerin, die mit ihrem Freund schon 3 Jahre zusammen war. Für amerikanische Verhältnisse (und dazu noch ländliche, da sie aus Kansas kamen) ist das eine sehr lange Zeit. Ich fragte, ob sie ans Heiraten denken würden. „Er hat mich nicht gefragt“ war die Antwort. Verwundert fragte ich nochmals nach, denn schließlich diskutiert man diesen schwebenden Status in Deutschland doch schon mehr als einmal, ob man überhaupt heiraten will, ob und wann der Partner daran Interesse hätte, etc. Aber die amerikanische Antwort blieb einfach „er hat mich nicht gefragt“. Somit gibt es hier also auch nichts miteinander zu besprechen, so lange er nicht klare Absichten mit Taten kundtut. Übrigens hat er sie drei Monate später gefragt und die beiden sind nun glücklich dabei, gegenseitig ihre Familien kennenzulernen und die Hochzeit zu planen.

  9. Es ist alles ein wenig materieller, als in Deutschland

    . Sollte Dein Flirt funktionieren, so muss die Rollenverteilung stimmen. Der Mann ist hier der „Head of Household“ und verdient die größten Brötchen. Damit er sich der Frau als potenzieller Heiratskandidat auch präsentiert kann, wird er gerade in der Flirtphase mit Geld regelrecht um sich werfen. Ist die Frau hingegen interessiert, so wird sie mit seinem Geld hauswirtschaftlich umgehen und nicht den Hummer auf der Karte bestellen, sondern eher etwas bodenständigeres. Der Mann bringt kleine Geschenke und die Frau schenkt ihm dafür ihre Aufmerksamkeit. Mein Mann hätte mir einen Vogel gezeigt… Ihm fallen hier aber regelmässig die Augen aus dem Kopf, wenn seine Arbeitskollegen erzählen, wieviel der Verlobungsring für ihre Freundin gekostet hat. Ein dreifaches Monatseinkommen ist hier Minimum!

  10. Toleranz. Toleranz. Toleranz.

    So lange sie keinen Ring am Finger hat, kann sie machen, was sie will. Ich glaube, daher heiratet man hier auch so schnell. Ein deutscher Bekannter von mir ist mit einer Amerikanerin zusammen. Sie leben getrennt, aber sind fest zusammen. Eines Tages bin ich mit ihm essen und er erhält eine E-Mail. Es war eine Uber-Abrechnung (falls jemand Uber nicht kennt, es funktioniert wie gewöhnliche Taxis, außer das es sich um Privatpersonen handelt, die mit ihrem persönlichen Auto fahren). Mein Kollege stöhnte nur und meinte, seine Freundin habe „mal wieder“ über sein Uber-Konto „Übernachtungsgäste“ nachhause fahren lassen. Nun fragt Ihr Euch, wie ich damals, „Übernachtungsgäste“?? Und ja… es ist genau das, was wir wir alle vermuten und nicht glauben wollen… Seine Freundin hatte in jedem Fall keine Hemmungen fremden Männern mit der Kreditkarte von ihrem deutschen festen Freund ein Taxi zu bezahlen… Nun sind sicherlich nicht alle Frauen so und gerade amerikanische Männer würden sich das vermutlich nicht bieten lassen. In meinem Beispiel hingegen war das vermutlich eher ihre „subtile“ Art, ihm zu sagen, sie wünscht sich mehr Bindung. Verrückt? Nun… es ist alles anders in anderen Kulturen. Und nur mit Toleranz kommt Ihr hier weiter… und Liebe.

Alle meine Punkte beruhen auf Beobachtungen und Erzählungen. Persönliche Erfahrungen kann ich nur sehr limitiert vorweisen. Aber ich hoffe, Euch haben meine 10 Punkte unterhalten, denn nur darum geht es mir. Im Grunde genommen ist jeder Mensch so einzigartig, dass wir ihn gar nicht in die Schublade einer einzigen Kultur packen können. Ich würde mich freuen, auch von anderen Ländern/Kontinenten über die kulturellen Unterschieden zu lesen und wäre für Kommentare oder Links dankbar.

Grundsätzlich kann man mit Sicherheit sagen, wer sich in eine andere Person verliebt, muss sich öffnen und Toleranz zeigen. Wenn die Person dann noch aus einem anderen Kulturkreis kommt, gehört eventuell noch eine Quäntchen mehr Fingerspitzengefühl und Kommunikationsstärke dazu, damit man glücklich bleibt. Ich wünsche allen viel Erfolg, viel Liebe und noch viel mehr Verständnis. Das braucht man eh in jeder Beziehung, egal woher man kommt oder geht.

 

Ein Gedanke zu “10 Tipps: Wie flirte ich mit einem Amerikaner

  1. La Giù~Lia schreibt:

    Eigentlich, muss ich sagen, bin ich mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem ich #10 gar nicht mal mehr so verkehrt finde… 😉
    Schöner Beitrag! Und ich freu mich sehr über deine Teilnahme an der Blogparade! 🙂 Danke!

    Gefällt mir

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