Auswandern in die USA – Tipps und Tücken

Zuerst – machen wir uns nichts vor – braucht man als Deutscher ein Visum für die USA, sofern man länger als 3 Monate bleiben möchte und kein Tourist ist. Ob Ihr das Visum nun in der Green Card Lottery gewinnt, oder durch einen Arbeitgeber ein Visum erhaltet oder als Investor, Künstler, etc. – Möglichkeiten gibt es viele. Nicht für jeden, aber mal Hand aufs Herz, kein Land will „jeden“. Das ist auch in den USA nicht anders.

Seid Ihr im Visa-Prozess, werdet Ihr es mit einer umfangreichen Bürokratie zu tun bekommen. Es ist ein Irrtum zu glauben, nur Deutschland hätte viel Bürokratie. Kein Land, auch nicht die USA, lässt Ausländer einreisen, bei sich arbeiten und erteilt ohne Bürokratie und Hintergrund-Checks eine Aufenthalts- oder Arbeitsgenehmigung. Die USA ist hier keine Ausnahme. Background-Checks sind ebenso Pflicht, wie eben eine Menge Formulare.

TIPPS: Hast Du einen Zweitnamen? Hast Du Umlaute im Namen? Mach Dir von Anfang an klar, dass es ä, ü, ö, ß in den USA nicht gibt. Die Schreibweise Deines Namens musst Du einmal festlegen und konsequent beibehalten. Das gilt auch für Zweitnamen. Sobald Du einmal den Zweitnamen als Middlename und einmal an Deinen First name angehängt hast oder gar ganz weggelassen hast, gibt es früher oder später Probleme. Genau das gleiche, wenn Du einmal Sören in Soren oder Soeren umgeschrieben hast. Tu Dir das nicht an. TÜCKE: Die Behörden werden im schlimmsten Fall Deine Identität erneut durch Homeland Security prüfen lassen, was bedeutet, Du vergeudest einen Haufen Zeit. Achte peinlich genau auf die Schreibweise und in welches Feld Du den Namen wie einträgst. Ansonsten kannst Du wirklich in große Schwierigkeiten geraten, wenn Du zum Beispiel Deine Social Security Number beantragst oder ein Bankkonto eröffnen möchtest. Denn beides wirst Du brauchen, um Dich überhaupt in den USA niederzulassen.

Dein Visum- Antrag wurde positiv entschieden? Nun kommt der persönliche Vorstellungs-Termin in einer US-Botschaft.

TiPP: Sei schnell! Die Visas werden in Deutschland alle zeitgleich erteilt. Das heißt, alle werden in den nächsten Tagen versuchen, einen Termin zu ergattern. Wenn Du nicht schnell bist, resultiert daraus eine mehrere Wochen andauernde Wartezeit! Erspar Dir das und mach so schnell wie möglich Deinen Termin aus.

TiPP: Hab alle Dokumente dabei! Bei jedem Visum sind die Bestimmungen und angefragten Dokumente unterschiedlich. Aber seid Euch sicher, Ihr werdet noch bevor Ihr an einem Schalter in der Botschaft steht abgewiesen, sofern Ihr nicht die erforderlichen Formulare und Dokumente dabei habt. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auch gerne weitere Unterlagen (Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, etc.) dabei haben. TÜCKE: Das gleiche gilt übrigens auch für die wirkliche Einreise am Flughafen! Lest genau durch, welches Formular Ihr zusätzlich zu Eurem Reisepass inkl. Visum dabei haben müsst. Denn erst hier bei der Border Controll findet durch Homeland Security die tatsächliche Visa-Erteilung statt! Der Grenzbeamte ist es schlussendlich, der Eure Einreise gestattet oder Euch wieder heimschickt. Ja, das kann er! Also bitte, packt alle Dokumente in Euer Handgepäck!

Alles ist erledigt. Ihr haltet den Reisepass mit Visum in den Händen. Herzlichen Glückwunsch! Jetzt wird es spannend. Bucht Euren Flug. Der Umzug muss vorbereitet werden. Entscheidet, was Ihr mitnehmen möchtet oder nicht. Es sei Euch gleich gesagt, Betten, Laken, jegliche elektrischen Geräte sollten daheim bleiben.

TÜCKE: Elektrische Zahnbürsten können mit Reisestecker betrieben werden. Kommt aber nicht auf die Idee, einfach das Netzteil in den USA neu zu bestellen. Eure Zahnbürste wird durch die viel geringere Spannung des US-Steckers nicht geladen. Am Ende sendet Ihr entweder den Netzstecker zurück oder kauft Euch direkt eine neue amerikanische Elektro-Zahnbürste. Stellt Euch nun vor, was erst Eure Waschmaschine für Zicken macht, wenn die Zahnbürste schon nicht mit US-Stecker betrieben werden kann… Tut Euch das einfach nicht an.

Alle Geräte, die mehrere Spannungen verarbeiten können, sind hingegen kein Problem. Unser neuer Fernseher konnte das zum Beispiel nicht und musste daheim bleiben. Hingegen neue Laptops, Computer, Handys, etc. funktionieren und können entweder mit neuem Ladestecker nachgerüstet werden oder Ihr betreibt sie mit Reisesteckern. TÜCKE: Habt auch genügend Reisestecker dabei!

TIPP: Fast jedes amerikanische Apartmenthaus stellt den Mietern Waschmaschine und Trockner zur Verfügung. Ob das nun direkt in der Wohnung ist oder in einem Raum für die gesamten Mieter – eigentlich braucht Ihr keine eigene Waschmaschine. Und sie sind auch weit besser, als ihr Ruf in Deutschland ist. Zudem könnt Ihr Kleiderschränke direkt zuhause lassen. Die Amerikaner verfügen über Einbauschränke und Regale. Tatsächlich ist die Platznutzung in den Wohnungen ziemlich gut. Oftmals hat man mehrere Abstellkammern (Küche, Balkon) und einen begehbaren Kleiderschrank. Die Badezimmer sind oft direkt mit Unterschrank ausgerüstet. Sehr praktisch.

Ihr solltet Euch bei jedem Gegenstand genau überlegen, ob Ihr ihn wirklich in den USA braucht. Nicht nur, weil der Umzug teuer ist, sondern auch, weil die Formate in den USA komplett anders sind. Damit meine ich wirklich Größe und Gewicht-Angaben, Entfernungen, Papier- und Umschlagformate, auch die Lochung von Papier und somit auch den Ordnern, Stromspannung, Anschlüsse für Wasser, Abfüllmengen, etc. oder eben auch Größen und Formate für den Haushalt. Hier einmal eine Übersicht über die umgerechneten Bettenformate. Solltet Ihr, wie zum Beispiel wir, doch entscheiden, Euer Bett mitzunehmen (weil Ihr lieber getrennte Matratzen im Doppelbett habt oder die amerikanische Bettenhöhe irritierend findet), seid Euch einfach im Klaren, dass es kaum Möglichkeiten gibt, neue Laken oder Bettbezüge zu kaufen. Ikea hat zwar einige ähnliche Formate, aber eben nicht die gleichen.

Ihr seid bereit. Der Umzug ist erledigt, die Koffer sind gepackt und der Flug ist gebucht. Alle Dokumente sind im Handgepäck. Los geht’s! TÜCKE: Denkt daran, dass die Einreise nicht sofort möglich und erlaubt ist! Jedes erteilte Visa hat einen Start-Datum. Hier ein Auszug aus den FAQ der Diplomatischen Vertretung der USA in Deutschland:

Mit einem B-Visum kann ab dem Tag der Visaausstellung gereist werden.  Inhaber von J, F- und M-Visa können maximal 30 Tage vor dem im DS-2019 oder I-20 Formular eingetragenen „Program Start Date“ oder Datum des Studienbegins einreisen. Personen mit Arbeitsvisum (H, L, E) können maximal 10 Tage vor dem in der Petition eingetragenen Anfangsdatum einreisen.

TIPP: Angekommen an der Border Control stellt Ihr Euch in die Schlange für die Visitors. Schließlich seid Ihr auch mit Visum noch lange keine US-Staatsbürger und habt nur eine begrenzte Aufenthaltserlaubnis. Lediglich Green Card-Inhaber dürfen in die Schlange der „Residents“ eintreten. Ihr legt Euer Zollformular vor, Euren Reisepass und das Einreisedokument (Bei einem H1B ist es zum Beispiel das I-797). Diese Dokumente erhaltet Ihr von Homeland Security im Vorfeld. Erst nach der vollständigen Einreise könnt Ihr online Euer I-94 runterladen. Dieses Formular I-94 ist letztendlich Eure gültige Aufenthaltsgenehmigung. Das Formular werdet Ihr für viele weitere Schritte brauchen.

Während der gesamten Einreise ist die Nutzung von Handys verboten! Tatsächlich sind Handys erst im öffentlichen Bereich nach dem Zoll erlaubt! Über Lautsprecher und mittels Pictogrammen wird man immer wieder aufgefordert, das Handy nicht zu benutzen. Teilweise hängen sogar Schilder, die Benimmregeln aufführen, aus. Wer keine Schwierigkeiten haben will, muss sich daran halten! 

Um Euch einen reibungslos-eren Start zu ermöglichen (denn Hand aufs Herz – Auswandern funktioniert fast nie reibungslos….), solltet Ihr genügend Bargeld dabei haben und mindestens 1-2 Kreditkarten. Wir würden beim nächsten Mal 5.000-7.000 EUR oder direkt US Dollar mitnehmen. Bis Ihr ein amerikanisches Konto oder gar eine amerikanische Kreditkarte habt, wird es Wochen dauern! Aber Ihr müsst Euch ein Haus oder eine Wohnung mieten, was ohne Credit History schon schwierig genug ist. Und leider bedeutet „schwierig“ oftmals, „mit genügend Bargeld aus der Welt zu schaffen“… denn es werden nicht immer ausländische Kreditkarten akzeptiert. Restaurants, Apotheken, Hotels, Taxis sind kein Problem. Aber wenn es um die Kaution in Eurem neuen Apartmenthaus geht, kann es schon sehr gut sein, dass diese nur amerikanische Kreditkarten akzeptieren. Und schon habt Ihr ein Problem. TÜCKE: Alles über 10.000 US Dollar muss bei der Einreise dem Zoll gemeldet werden! 

TIPP: Geht sofort zur Social Security AdministrationSolltet Ihr in den USA Steuern zahlen, Gehalt erhalten, etc. benötigt Ihr eine Social Security Number. Diese benötigt nicht jeder Einwanderer. Zum Beispiel die H4 Visa-Halter sind nicht berechtigt zu arbeiten und bezahlen somit auch keine Steuern. H4 Inhaber erhalten somit keine SSN. Aber zum Beispiel H1B Inhaber werden schnell feststellen, dass ohne die Social Security Number nichts geht. Kein Bankkonto, kein Mietvertrag, kein Strom für Eure Wohnung, kein Autokauf beim Händler, noch nicht einmal eine Bonuskarte im Supermarkt oder gar das Gehalt von Eurem Arbeitgeber! Holt Euch bitte umgehend diese SSN. Wenn dann noch, wie bei uns…., etwas schief ging, hängt Ihr bis zu 6 Wochen in der Amerikanischen „red tape“ Bürokratie fest. Erspart Euch das! TIPP: Geht am besten 30 Minuten vor Büroöffnung hin. Dann ist die Schlange am kürzesten und mit etwas Glück seid Ihr nach 1 Stunde wieder raus.

Wir selbst sind mit dem H1B und H4 Visum ausgewandert. Solltet Ihr hierzu spezifische Fragen haben, helfen wir Euch gerne! Kommentiert einfach. 

Letztendlich ist es ein großes Abenteuer. Mindestens einmal pro Woche sehen wir uns leicht ratlos an, weil wir nicht fassen können, dass es so umständlich in den USA funktioniert. Aber das war für uns genau der Reiz, aus Deutschland auszuwandern. Wir wollten einmal hautnah erleben, was das Leben in einem anderen Land wirklich bedeutet. Man lernt sehr schnell Selbstverständlichkeiten aus Deutschland zu schätzen. Zum Beispiel Post- und Paketlieferungen innerhalb von einem Tag! Unser Amazon Prime Service reduziert Lieferzeiten gerade mal auf 4 Arbeitstage… Nun stellt Euch die Standard-Lieferzeiten vor…. Wer hätte gedacht, dass ich einmal die gute alte DHL vermissen würde! Dafür wandert man aus: um alte Dinge plötzlich zu schätzen und neue Dinge zu entdecken. Es ist toll, wenn man plötzlich das „neue System“ verstanden hat und sein Leben in guten, neuen Bahnen läuft.

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