Krankenkassen, Amerika, Übersicht, Kostenübernahme, Tarife

Krankenversicherung in den USA

Bei diesem Thema wird einem sofort Angst und Bang ums Herz. Krankenversicherung ist schon in Deutschland ein Thema für sich, wobei man ziemlich genau weiß, was die gesetztliche Krankenkasse leistet oder auch nicht leistet und die Privatpatienten immer schneller einen Termin bekommen.

Krank sein in den USA ist etwas, dass sich nur Reiche leisten können. Jedoch gibt es Tipps und Tricks in Amerika, dem Land der auch hier unbegrenzten Möglichkeiten, die dem Expat  oder Auswanderer das Krank-sein und die Kostendeckung erleichtern.

  1. Wer nur vorübergehend in den Staaten ist, sichert sich gut und einfach mit einer deutschen Auslandskrankenversicherung ab. Wichtig ist hierbei, mit der Krankenkasse zu klären, für wie lange sie den Aufenthalt decken. Oftmals ist ein weiterhin bestehender Wohnsitz, an dem man gemeldet ist, Grundvoraussetzung. Um nicht bei der US-Steuererklärung plötzlich auf die Nase zu fallen, muss diese Auslandsversicherung folgende Punkte erfüllen:
  • Ambulante Leistungen
  • Notfall Service
  • Krankenhausaufenthalt
  • Mutterschaft und Geburt
  • psychische Krankheiten und Suchtmittelmissbrauch
  • Medikamente
  • Rehabilitation (für Verletzungen, Behinderungen oder chronische Krankheiten)
  • Laboruntersuchungen
  • Vorsorgeuntersuchungen/Wellnessprogramme
  • Kinderärztliche Versorgung

2. Bei der US-Steuererklärung auf die Nase fallen? Ein wesentlicher Punkt von Obama Care beinhaltet nicht nur den Zugang zu bezahlbarer Krankenversicherung für so gut wie alle Amerikaner, sondern eben auch die „Strafe“ wenn man sich nicht versichert. Wer nicht seiner Steuererklärung einen Versicherungsnachweis beilegen kann, muss eine Strafgebühr entrichten. Diese richtet sich nach dem jeweiligen Einkommen. Wer also vor hat, in den Vereinten Staaten zu leben, sollte sich dringend mit dem Thema Versicherungsschutz und Krankenkassenleistungen beschäftigen.

3. Es ist ein Buch mit weit mehr als nur 7 Siegeln… Etwas komplizierteres habe ich selten gesehen, aber ich habe auch keine Raketenwissenschaft studiert… Zuerst sollte man wissen, dass die Gesetze in jedem Bundesstaat anders sind – wie könnte es auch anders sein.

Arztzimmer, Arztpraxis, Sprechzimmer

Typisches Sprechzimmer in den USA

Eine völlige Transparenz kann mein Artikel daher leider nicht herstellen. Grundsätzlich kann man sagen, niemand wird in den USA ohne Behandlung gelassen. Ich sah schon Notärzte und Feuerwehrleute einem Obdachlosen auf der Straße helfen. Es war heiß, sein Kreislauf musste wohl kollabiert sein und jemand hat den Notruf getätigt. Es waren vier Ersthelfer vor Ort, die sich rührend um den leider sehr verwahrlosten Mann kümmerten. Egal ob und wieviel Einkommen man in den Staaten hat, jeder hat Zugang zu Erster Hilfe (Medicaid) und es gibt ein Programm auf Bundesebene, sowie auf Landesebene, um Einkommensschwachen mit der Grundabsicherung zu helfen.

4. Leider muss ich den vorangegangenen Punkt auch direkt wieder etwas den Glanz nehmen. Grundsicherung bei Krankenversicherung heisst wirklich Basishilfe. Damit ist dann ein Knochenbruch oder der Blinddarmdurchbruch behandelt, die Impfung oder das Pfeiffersche Drüsenfieber. Basishilfe heisst dann Behandlung, aber nicht unbedingt Rehabilitierung oder Nachsorge. Und genau da klappt das Buch mit den 700 Siegeln auf. Was leistet welche Versicherung in welchem Staat mit welchem „Plan“ (Tarif). Und nach der Frage, was die Krankeversicherung leistet, kommt die Frage, wie hoch ist der Eigenanteil, wie hoch ist die Maximalsumme der zahlbaren Leistungen pro Jahr? Gibt es ein Maximum auf Lebenszeit? Wo bin ich versichert? Zu welchem Arzt darf ich gehen und bei welchem Arzt oder Krankenhaus bin ich nicht versichert und muss plötzlich selbst bezahlen?

5. Fast 60% aller Versicherten in Amerika sind über ihren Arbeitgeber versichert. Dieser muss zumindest in Kalifornien ab einer bestimmten Mitarbeiteranzahl den Mitarbeitern Krankenkassen-Zugang ermöglichen. Während die Beiträge bei uns leicht verständlich und fair 50:50 geteilt werden, ist das hier reine Verhandlungssache der Arbeitgeber und ein Benefit für den Arbeitnehmer. In jeder Stellenausschreibung kann man lesen, welche Benefits der mögliche Arbeitgeber liefert und dabei spielen gerade die Krankenversicherungen und Kostenübernahmen eine große Rolle. Beispiel: ich gehe zum Zahnarzt. Ich bekomme 2 Füllungen. Auf der Rechnung steht, Preis ohne Versicherung: 521 USD. Der mit meiner Versicherung verhandelte Preis für die Behandlung beträgt schon nur noch 208 USD. Und mein Anteil, Co-Pay, beträgt sogar nur 10%, also 20,80 USD. Eine Füllung in Deutschland kam mich bei der TK teurer. Aber genau hier liegt auch der Knackpunkt. Meine Verkäuferin beim Buchladen um die Ecke hat vermutlich keine Zahnarzt-Versicherung (dental care) und müsste den vollen Preis von 521 USD zahlen.

6. Die Höhe des Gehaltes ist in den USA nicht allentscheidend. Vielmehr die Benefits und Leistungen, die der Arbeitgeber übernimmt. Versicherungsschutz ist hierbei ein riesiges und leider auch freiwilliges Thema. Sobald man in die finale Runde bei seinem Jobinterview kommt, sollte man nachfragen, was eigentlich die Benefits wären. Und spätestens bei der Zusage vor Vertragsunterzeichnung, sollte man die Tarife einschauen, denn ansonsten kann sich das hohe Gehalt schnell reduzieren, weil man sich selbst noch teuer zusatzversichern muss.

7. Die meisten Arbeitgeber geben ihren Mitarbeitern die Möglichkeit aus min. 2 Tarifen oder gar Versicherungen zu wählen. Grundsätzlich gibt es HMO und PPO als grundsätzlichen Unterschied. Das ist extrem wichtig! HMO bedeutet Health Maintenance Organization und besagt, dass man nur zu Einrichtungen gehen darf, die mit der abgeschlossenen Krankenversicherung arbeiten. In Kalifornien ist der wohl größte Anbieter von HMO Versicherungen Kaiser. Ich betone das mit dem Bundesstaat, weil es noch lange nicht heißt, dass sich die Versicherung in jedem Bundesstaat so positioniert. (ja, es hat weit mehr als nur 7 Siegel….) HMO funktioniert relativ gut und erinnert mich an die gute Idee der Polyklinik in der alten DDR. Das System findet ja immer mehr wieder Einzug in Deutschland und war auch in Berlin eine gute Sache. Kaiser hat meist Kliniken, in denen die verschiedenen Fachärzte arbeiten. Der Patient macht hier seine Termine und wird innerhalb des Netzwerkes an Ärzte oder Fachbereiche weiterverwiesen. Nachteil: Man hat keine freie Arztwahl. Für mich persönlich ein Ausschlusskriterium. Aber viele finden es so viel einfacher, weil sie nicht selbst einen Arzt finden müssen und einfach weitervermittelt werden.

Krankenkassen, Tarife, Amerika, Übersicht, Arztwahl

Das ist ein kleiner Ausschnitt der verfügbaren Tarife bei Kaiser. Es sind mehrere 100…

PPO bedeutet Preferred Provider Organization, was mir die freie Arztwahl ermöglicht. Dabei werden manche Institute und Ärzte von meiner Krankenkasse bevorzugt, was letztendlich bedeutet, ich muss eine geringer oder gar keine Gebühr (10 USD) für den Besuch zahlen. Ich kann aber auch zu jedem anderen Arzt gehen. Meine Behandlung wird dennoch übernommen. Es gibt Einschränkungen aufs Jahr, wie hoch die Kosten für nicht bevorzugte Anbieter sein dürfen, ehe ich selber zahlen muss. Auch ist die Gebühr etwas höher. Hier heißt es, seinen Krankenkassentarif gut zu kennen. Ein guter Tipp ist es, sich bei seiner Krankenkasse einen Online-Zugang zu machen. Ihr seht genau, was noch an Leistungen möglich ist, wie nah ihr am Übernahmelimit seid oder auch welches Medikament bezahlt wird und wie hoch euer Eigenanteil ist.

8. Ihr nehmt regelmässig Medikamente? Prüft die Krankenversicherung auf Kostenübernahme. Bei vielen gibt es ein Online Tool, bei der man das Medikament und seinen Tarif eingibt und am Ende weiß man, wie hoch die Kosten für einen selbst sind und was die Krankenkasse leistet. Wenn das nicht weiter hilft, geht zu einer Apotheke, wie CVS oder Walgreens und fragt einfach nach. Diese Kostenübernahme kann bei manchen Versicherungen für den Patienten elementar sein. Auch wenn es Vorerkrankungen gibt, stellt sich zwar zum einen die Frage, versichern sie euch überhaupt – aber auch zum anderen, auf welche Kosten läuft das für einen selbst raus. Sollten Medikamente nicht übernommen werden, so kann man auf Good RX die verschiedene Preise der großen Apotheken einsehen. Auch werden hier Hersteller-Coupons angezeigt, was die Kosten nochmal erheblich senken kann.

Krankenkasse, Kostenübernahme, Medikamente, USA, Salbe

So sehen 1.844,58 USD aus…

Während es in Deutschland letztendlich völlig egal ist, ob du bei der AOK, TKK oder Barmer versichert bist, spielt es hier eine elementare Rolle. Diese Frage hat so viele persönliche Faktoren, dass sie auch gar nicht allgemein zu beantworten ist. Zum einen liegt es daran, wie man sich überhaupt versichern kann. Da liegt es meist am Arbeitgeber. Wobei ich sagen muss, bei dem Dschungel an Versicherungsmöglichkeiten hier sollte man froh sein, wenn man sich nur mit 2-4 Tarifen auseinandersetzen muss.

Auch ist die Frage „Was kostet eine Krankenversicherung in den USA“ völlig intransparent. Ob der Arbeitgeber nun 0-90% übernimmt, ob Familienmitglieder mit abgedeckt sind und wenn ja, wie hoch… all das ist nicht standardisiert. Während nun viele Auswanderer in Amerika vermutlich stöhnen und jammern, wie teuer alles ist und wie viel man selber zahlen muss, kann ich jetzt persönlich wiederrum nur immer wieder staunen, was von meiner Versicherung übernommen wird und in welcher Höhe. Während ich in Deutschland der ungeliebte Kassenpatient war, kann ich hier wiederrum alle Ärzte besuchen und bekomme innerhalb von einigen Tagen (manchmal sogar Stunden) einen Termin. Es ist schon so, dass wenn man hier versichert ist, man sich direkt wie ein deutscher Privatpatient bei einem Praxisaufenthalt fühlen kann. Alles läuft sehr organisiert ab. Alle sind sehr freundlich. Kein langes Warten. Während unsere deutschen Ärzte nur noch so 5-7 Minuten Zeit pro Kassenpatient Zeit für alles haben, dauert hier eine Konsultation im Schnitt 15-20 min.

 

 

Ein Gedanke zu “Krankenversicherung in den USA

  1. Stefanie Hakulin schreibt:

    Sehr ausführlicher Artikel. Eine Krankheit kann einen hier in den USA schnell in den Ruin treiben. Es gibt ja meist auch kein Krankengeld, wenn man nicht arbeiten kann. 2 Wochen daheim bleiben, wegen einer Grippe ist da nicht drinn, ganz zu schweigen von schlimmeren Krankheiten. Ich vermisse das deutsche Gesundheitssystem. Was ich hier gut finde, man bekommt schneller einen Termin, z. B. für MRI und muss beim Arzt auch nicht so lange warten.

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