USS Arizona, Pearl Harbor, Luftaufnahme

Pearl Harbor – muss man da gewesen sein?

Wer die berühmteste, aber nur drittgrößte Insel von Hawaii besucht, O’ahu oder Oahu, wird an dieser Frage kaum vorbei kommen. Viele reisen über den internationalen Flughafen von Honolulu ein und verbringen die ersten Nächte auf Oahu, wo eben auch der berühmte Militärstützpunkt Pearl Harbor sein Zuhause hat.

USS Arizona Luftaufnahme, Pearl Harbor

USS Arizona Luftaufnahme, Pearl Harbor

Es gibt genügend historische Abhandlungen über den Angriff der Japaner auf den US Stützpunkt Pearl Harbor. Ich begnüge mich daher mit ein paar Links zu diesem Thema und verkürze die Geschichte auf den Fakt, dass der strategisch meisterlich geplante Angriff Japans auf Pearl Harbor von den USA als Kriegserklärung gewertet wurde und sie zum Eintritt in den zweiten Weltkrieg zwang. Die Antwort der USA an Japan war drei Jahre später der Abwurf zweier noch verheerender Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki. Wer heute Pearl Harbor oder Oahu an sich besucht, wird verständlicherweise neben vielen Amerikanern auch auf viele japanische Touristen treffen, denn auch für sie und ihre Vorfahren ist das Geschehen um Pearl Harbor Zeitgeschichte.

Kurzum, wir widmeten Pearl Harbor einen gesamten Tag mit einer geführten Tour – dachten wir. Das Paket wird von mehreren Anbietern angeboten. Wir hatten uns für Discover Hawaii Tour entschieden. Folgende Punkte waren Bestandteil der Tour:Pearl Harbor Visitor Center

  • USS Arizona Memorial
  • USS Bowfin Submarine and Museum
  • USS Battleship Missouri Deck Tour
  • USS Oklahoma Memorial
  • Pacific Aviation Museum
  • Historic Honolulu City Tour
  • Punchbowl National Cemetery
  • Hawaii Government Buildings

Wir wurden am frühen Morgen, ich glaube es war 6:15 Uhr, in einem geräumigen Kleinbus abgeholt. Die Gruppe umfasste 9 Personen und wir fuhren zuerst zum Pearl Harbor Besucherzentrum. Egal ob mit Tour oder ohne, wer hier hin will, muss früh erscheinen. Der Eintritt umfasst die Bootstour zum USS Arizona Memorial, auf der nur eine begrenzte Besucherzahl alle 30 Minuten transportiert werden können. Diesen Teil würde ich in jedem Fall empfehlen. 

Das Gelände von Pearl Harbor ist mit Monumenten, Infotafeln und Artefakten übersät. Man erfährt hier alles, was man über den Angriff, die Vorgeschichte und auch den späteren Verlauf des Weltkriegs wissen muss. Bevor es zur Bootsfahrt geht, schaut man sich einen kurzen Dokumentarfilm über den Angriff auf Pearl Harbor an. Er ist erstaunlich gut gemacht, wenig Heldenepos, wenig Tränendrüse, viele interessant dargestellte Fakten, kurze Berichte von Augenzeugen und Überlebenden, die man auch auf dem Gelände immer wieder trifft, sei es mit Fotos oder kurzen Filmen.

Die Bootsüberfahrt zum USS Arizona Memorial dauert vielleicht 10 Minuten. Es sind keine Fotos beim Aussteigen erlaubt, damit der Betriebsablauf gewahrt bleibt. An diesem Punkt möchte ich gerne sehr ehrlich sein, denn ob es sehenswert ist oder nicht, muss hier jeder selbst entscheiden. Das Memorial ist ein Steg, der über der gesunkenen USS Arizona angebracht ist, die direkt unter Deinen Füssen liegt und in ihr 1102 tote Männer. Das kann man sich erst einmal nicht richtig vorstellen. Man sieht das mittlerweile verrostete und von Korallen und Algen überwucherte Schiff unter sich liegen, aber die Ausmasse sind mir nicht so richtig vollständig bewusst gewesen. In dem Memorial sind Gedenktafeln mit den Namen, auch der Überlebenden angebracht, die später erst starben, natürlich Blumen und eine ewigen Flamme. Es kommt einem Urnenfriedhof gleich. Was etwas gespenstisch wirkt ist das bis heute noch aus dem Wrack austretenden Öl. Die USS Arizona war randvoll beladen, da sie als Versorgungsschiff für die kleineren, wendigeren Zerstörer im Pazifik eingesetzt werden sollte. Viele Besucher behaupten, in dem auslaufenden Öl Gesichter der Toten gesehen oder erkannt zu haben. Wie es auch sei, zum einen fand ich den Selfie- und Sightseeing-Charakter befremdlich. Zum anderen kam aber auch, zumindest bei mir, nicht dieses betroffene oder sogar trauernde Gefühl auf. Ob das eine mit dem anderen zusammen hängt? Ich weiß es nicht. Interessanterweise kam bei mir dieses Gefühl erst, als wir später die USS Arizona aus der Luft sahen und ich die Umrisse des Schiffs erkannte. Erst hier wurde mir vollständig klar, wie groß, fast riesig dieses Kriegsschiff war und wie viel eigentlich 1102 Männer sind, die nie geborgen wurden und da im Wasser vor einer der schönsten Küsten der USA liegen… Dabei liegt sie nur in 12 Meter Tiefe.

Eine weitere Station auf dem Pearl Harbor Gelände ist die USS Bowfin, ein U-Boot und ein U-Boot-Museum. Wer noch nie ein U-Boot gesehen hat – bitte, schaut es Euch an. Es ist wirklich spannend und beeindruckend, wie klein, eng und freundschaftlich (stinkig) alles zugegangen sein muss! Wer schon ein paar U-Boote gesehen hat, die USS Bowfin ist nichts neues. Man kann einmal komplett durchlaufen. Die Audio-Tour ist gut. Alles wurde sehr gut restauriert und erklärt. Dazu gibt es auf dem Gelände ein U-Boot-Museum, was auch interessant ist, sofern man sich für U-Boote, deren Technik und US-Geschichte interessiert. Das Museum kostet alleine 6 USD Eintritt für Erwachsene und wer das U-Boot mit besichtigen möchte, zahlt 12 USD… Halte ich es für sehenswert? Nein.

Das USS Oklahoma Memorial war laut unserem Tourplan mit von der Partie. Ehrlich gesagt, wir haben es nicht gesehen. Ich habe nun recherchiert und es muss eine Gedenk-Wand auf dem Gelände der USS Missouri sein. Spannend? Sicher. Vielleicht. Aber ich kann sagen, dass die USS Missouri definitiv ein Highlight war. Vielleicht sogar mehr als die USS Arizona. Ich habe noch nie ein so großes Schiff gesehen. Sie ist 270 Meter lang und 33 Meter breit. Sie hat in 3 Kriegen gedient. Auf der USS Missouri wurde die japanische Kapitulation und damit das Ende des zweiten Weltkrieges unterzeichnet. Alleine der Aufstieg auf das Deck umfasst mehrer Stockwerke und die Kanonen an Board sind wirklich beeindruckend. Die leidenschaftlichen ehrenamtlichen Tourguides sind wirklich belesen und können jede Frage nicht nur fachlich beantworten, sondern verstehen es, einem das Gefühl für Geschichte zu geben, mit jedem Schritt den man auf diesen Planken geht. Die USS Missouri ist mein persönliches Highlight und hat mich zutiefst beeindruckt. Die Ausmaße dieses Schiffes, die Geschichte, die erkennbaren Zeichen der Zeit, die Größe, eigentlich alles war hier wirklich beeindruckend und gegenwärtig. Definitiv etwas, das es so heute nicht mehr gibt.

Treue Leser dieses Blogs wissen, dass Hendrik ein Privatpilot ist und damit auch sehr Flugzeug-interessiert. Wann immer es ein Flugzeug- oder Aviation-Museum gibt, besuchen wir es. Um erneut ehrlich zu sein, wir haben diese Tagestour nur gebucht, um Zutritt zu dem Pacific Aviation Museum zu erhalten. Es liegt in einem militärischen Sperrbereich und ohne Genehmigung nicht zu erreichen.

Wichtige Info: Wer diese Tour machen möchte, wird vorab darauf hingewiesen, keine persönlichen Taschen oder Rucksäcke dabei zu haben. Diese Gegenstände müssen gegen eine Gebühr im Pearl Harbor Besucherzentrum abgegeben werden. Der Grund ist der Besuch des Pacific Aviation Museums. In diese Sperrzone, einer aktiven Militärbasis, dürfen keine Taschen mitgenommen werden. Es kommt wirklich ein Wächter in den Bus, der die Bänke kontrolliert… Wer den anderen Tour-Kollegen auf die Nerven gehen will, nimmt eine Tasche mit. Heißt dann nämlich, umdrehen, aussteigen, Tasche parken im Besucherzentrum und zurück…

Zum Pacific Aviation Museum… Wie gesagt, ich sah mittlerweile wirklich viele. Ich bin nicht begeistert, aber mit der Zeit belesen und sagen wir… neutral. Ungefähr so, wie mit U-Booten. Hast Du eins gesehen, hast Du fast alle gesehen. So ist es mit Flugzeugen für mich. Nur leider waren die Flugzeuge in dem Pacific Aviation Museum durch die Bank weg nur von außen zu sehen. Das ist bei U-Booten nicht so. Und ehrlich gesagt, Flugzeuge von außen anschauen in der sengende Sonne auf einem kahlen Beton-Vorfeld neben dem Hangar? Nicht spannend. Da kann ich Fotos schauen. Ich will diese Flugzeuge betreten, das Cockpit sehen, das Innenraum-Gefühl haben. Wer das nicht will – dieses Museum ist was für Euch! Die Sammlung ist gut, umfangreich, interessant. Im Museum selbst werden die Exponate auch interessant in Szene gesetzt. Für einen Laien mag das interessant sein, jedoch muss ich sagen, dass ich mich persönlich schon etwas erfahrener sehe und dieses Museum für mich persönlich einfach nur langweilig war. Urteil: nicht sehenswert. 

Zum Abschluss unserer Tour mit Hawaii Discovery Tours ging es auf eine „Historische Stadtrundfahrt durch Honolulu mit kurzem Vorbeifahren an Hawaiianischen Amtsgebäuden und dem Punchbowl Nationalfriedhof. Hier ist der Blick toll – nur hielt der Bus nie an. Und wenn ich zurückblicke… die angebliche „Tour“ wurde nie von der Tourführerin ausgeführt, sondern immer von ehrenamtlichen Tourguides an den einzelnen Stationen. Eigentlich ist die „Tour“, die wir buchten, ein Busfahrer, der zwischendurch mal was über Honolulu oder die Inseln von Hawaii erzählt… Unsere Fahrerin war sehr nett, belesen, einheimisch. Keine Frage. Die Tour war nett, es war gemütlich, man hat sich um uns gekümmert und wir waren einfach mal gemütlich und haben nur erkundet.

Zurückblickend… nein. Ich würde keine Tagestour Pearl Harbor mehr machen. Und nein. Wenn ich ehrlich bin, ich würde auch die USS Arizona nicht mehr besuchen. Wir machten später eine Helikopter Tour, die auch über Pearl Harbor ging und das war weitaus beeindruckender. Ich würde jedoch in jedem Fall die USS Missouri besuchen. Und ich würde einiges anderes in Honolulu besuchen, was in einem weiteren Blogartikel kommt. Pearl Harbor ist durchaus sehr interessant, wenn man keine Vorkenntnisse hat oder sich den historischen Ort anschauen möchte. Ich hoffe jedoch mit diesem Post dazu beizutragen, die Entscheidung leichter zu machten, was für jeden individuell wirklich interessant sein könnte.

USS Arizona, Pearl Harbor, Luftaufnahme

Luftaufnahme USS Arizona Pearl Harbor Oahu Hawaii

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