Humboldt Nationalpark, Kuba

Humboldt Nationalpark Kuba – Dschungel pur

Man glaubt es vielleicht nicht, aber ich liebe es draußen im Wald zu sein. Als Kind kletterte ich immer schon auf Bäume oder verließ die Waldpfade, um tief in den Wald zu laufen. Ich mochte das, wenn es irgendwo raschelt und plötzlich ein Reh vor dir steht. Als ich dann bei der Reisebuchung sah, dass wir die Chance haben durch den Nationalpark „Alejandro de Humboldt“ im Osten Kubas zu wandern, war ich begeistert. Seit 2001 ist das biologisch einzigartige Gebiet vom World Heritage Committee zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt worden. Um es gleich vorne weg zu nehmen – laut unserem Reiseprogramm sollten wir nach der Wanderung noch eine Bootstour durch die Mangrovenwälder des „Bahia de Taco“ unternehmen. Fand nicht statt bzw. wurde ebenfalls durch eine andere Bootstour ersetzt, die Hendrik und ich uns ersparten. Boot bin ich in meinem Leben schon gefahren. Und wenn es keine Mangrovenwälder zu sehen gibt, beschlossen wir den wunderschönen Strand von unserem Hotel zu genießen.

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Badewarm!

Somit hier mein letztes Highlight Kubas – die 2-stündige-Wanderung  durch den Humboldt Nationalpark. Nachdem am Vorabend unser Reiseleiter die Tour erst als „nicht machbar“ deklarierte und wir alle auf die Barrikaden gingen, fand diese Tour zum Glück plötzlich doch statt. Die Wanderungen durch den Park sind stets von einem ortskundigen Guide geführt, der bei uns zwar kaum englisch oder gar deutsch sprach, aber super nett und von der Natur begeistert war.

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Nationalpark „Alejandro de Humboldt“.

Die Tour hatte es in sich. Wenn wir in Deutschland von „Wanderung“ sprechen, gehe ich von Pfaden aus, die ich mit Turnschuhen (also „festen“ Schuhen) bestreite. Wenn man auf Kuba von Wanderung spricht, ist das mehr eine Trekking Tour. Es war teilweise ganz schön steil. Der lehmige rote Boden war feucht bis schlammig. Die Wege waren nicht befestigt, was bedeutete, dass wir extrem rutschige, schlammige, steile, steinige Abhänge hoch und runter krackselten. Wir hangelten uns über gefällte Bäume um Flüsse zu überqueren, kletterten durch Baumwurzeln am Flussufer entlang, da der dichte Urwald keine Wege bot. Und dann… kam der Ochse…

Es ist schon lustig, wie man sich selber manchmal was vormacht. …oder sich weigert 1 und 1 zusammenzuzählen… Nach all den Kilometern, die wir nun schon auf dieser Trekking Tour zurückgelegt hatten, war ich wirklich noch so naiv zu denken, „wie romantisch„, als ich den Ochsenkarren sah…

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Der unscheinbare Ochsenkarre…

Aber vermutlich will man das glauben. Man möchte, dass die Tour endlich einfach wird. Es war bis dahin schon so anstrengend und als ich den Karren sah, dachte ich noch, das kurze Stück würde ich auf dem Karren schon überstehen.

Doch wie das eben so ist… es kommt anders, als gedacht. Von unserer Gruppe haben sich dann doch 8 Leute entschlossen, auf dem schmalen Ochsenkarren Platz zu nehmen. Wir saßen zu dritt eng gedrängt auf der Rückseite des Karrens. Irgendwie dachten wir alle, es geht nur um das kurze Stück vor uns, das wir überqueren würden. Der Fluss war relativ kalt nach all dem Regen und leider auch recht tief. Man hätte die Hosen schon bis über das Knie hochkrempeln müssen. Vermutlich war das der Grund, warum wir alle kaum Lust hatten, hinüber zu waten. Nur leider hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Niemand hatte uns gesagt, dass es sich nicht um „eine“ Flussüberquerung handelt. Mit Mühe und Not quälte sich der Ochse beim ersten Mal auf die andere Seite, wo prompt eine Anhöhe kam. Hier wäre ich fast vom Karren gefallen!!! So steil ging der Karren plötzlich nach oben! Wir klammerten uns verzweifelt an den jeweils seitlich  hochragenden Pfosten fest und dachten noch, „wir sind ja gleich da“.

Die zwei Jungs, die den Ochsen antrieben, brachten den Wagen nicht zu stehen, sondern brüllten den Ochsen weiter an. Das Tier weigerte sich kurz weiterzugehen, woraufhin ich vermutlich das Geräusch von Schlägen mit einem Stock hörte… Ruckartig setze sich der Karren erneut in Bewegung. „Wohin wollen wir denn…“, fragte ich mich noch, während mir fast die Kamera ins Wasser fiel, als wir heftig schwankend erneut ins ziemlich kühle Nass eintauchten. Verzweifelt krallte ich  mich am Pfosten neben mir fest, während Hendrik über mich hinweg griff und sich ebenfalls festzuklammern versuchte. Gleichzeitig musste ich meine Füsse hoch strecken, da sie fast im Wasser gelandet wären. So tief war mittlerweile der Fluss! Das steinige Flussbett ließ den Ochsenkarren mächtig nach links und recht wackeln, ehe wir endlich wieder auf festem Boden standen. Nur hielt dieser dämliche Karren immer noch nicht an! Wir fuhren weiter! Einer der Leidensgenossen auf dem Karren meinte, er habe gehört, dass wir wohl 4-5 Mal insgesamt durch den Fluß fahren würden! Ich dachte, ich höre nicht mehr richtig… Mein Rücken… Mein Hintern… Und schon waren wir im nächsten Wasserabschnitt, der diesmal jedoch so tief war, dass unsere Füsse samt Schuhen baden gingen. Keine Chance. Das Wasser war so hoch… ich wollte nur noch runter von diesem „romantischen“ Ochsenkarren. Hendrik neben mir konnte sich kaum richtig festhalten, da er in der Mitte saß. Mit Leibeskräften krallten wir uns an alles, das uns Halt gab, während ich immer nur noch jammerte, „ich will an den Strand…“ Heute muss ich lachen! Aber in der Minute… und zu allem Unglück fing dann auch noch der Ochse an zu streiken. Schläge und Schreien half nichts mehr. Also was macht der landwirtschaftlich erfahrene junge Kubaner? Er tritt dem Ochsen in die Eier… Jawohl. So wurde mir das von den anderen auf dem Karren bestätigt (ich konnte leider nur nach hinten was sehen). Die Jungs haben dem Ochsen so richtig kräftig in die Eier gepackt oder mit einem Stock nachgeholfen… Das Vieh hat gebrüllt, sich dann aber fortbewegt… Romantisch war daran schlagartig gar nichts mehr…

Als wir endlich alle Flusswindungen überquert hatten, tat mir das Steißbein weh und ich wollte eigentlich nur noch meine nassen Schuhe ausziehen. Die ursprünglich angedachte und von mir innerlich eh schon abgewählte Ersatz-Bootstour war endgültig gestorben. Jetzt wollte ich endlich Urlaub. Genug Abenteuer! Genug Dreck, Schlamm, Wasser! Würde ich es wieder machen? JA! Diese Trekking Tour war toll! Ein Abenteuer und wirklich sehenswert. Wir haben den kleinsten Frosch der Welt gesehen. (Ankedote: Unser Reiseleiter meinte noch, es gäbe keine giftigen Tiere im Humboldt Nationalpark. Dabei ist der Eleutherodactylus iberia ein Giftzwerg. Und „Schwarze Witwen“ gibt es dort auch zur Genüge. Also aufgepasst!) Diesen Dschungel so hautnah zu erleben, war auf jeden Fall toll und einmalig! Den Ochsen würde ich nächstes Mal jedoch stehen lassen und lieber selber waten – von mir aus auch lieber reinfallen, als nochmal das arme Vieh zu drangsalieren… Ab jetzt hieß es  jedoch nur noch ab an den Strand! Urlaub!

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