Baracoa, Atlantik, Kuba

Mit viel Musik von Santiago de Cuba nach Guantánamo und Baracoa

Nachdem unsere Anreise in Santiago de Cuba bei weitem nicht die beste Reiseerfahrung war, so hat sich die Stadt zumindest teilweise mit uns zu unserer Abreise wieder versöhnt. Dennoch muss ich sagen, dass ich es wirklich unverschämt fand, dass an jeder Ecke bei einer geführten Reisegruppe Extrakosten für Fotos auftauchen. In Santiago de Cuba war das extrem. Sei es das Festung Castillo de Morro, das Museum „26 de Julio“in der Moncada Kaserne, in der Fidel und seine Leute überfallen wurde, der Friedhof von Santa Efigenia oder ein anderes Museum am Parque Céspedes – der Eintritt war stets inklusive, die Fotos jedoch nicht. Da muss ich wirklich sagen, die 5 CUC pro Einrichtung sind mir ein paar Erinnerungsfotos nicht wert. Das wären hier schon 20 CUC bzw. EUR gewesen und meist war dann doch nichts wirklich so fotogen, als das es sich gelohnt hätte. Daher fällt der Bericht über Santiago de Cuba auch eher kurz und verhalten aus.

Wofür ich hingegen wiederum gerne Geld in Santiago de Cuba ausgegeben habe, war der Besuch eines original Musikhauses mit kubanische Musik. In Bayamo fand ich es schrecklich, da es völlig konstruiert und aufgesetzt wirkte. In Santiago de Cuba hingegen waren Einheimische in dem Lokal und tanzten in den Abend. Das ist etwas völlig anderes und reisst den Besucher einfach mit.

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Hier wurde es schnell zu eng…

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…woraufhin wir kurzerhand in einen größeren Raum umzogen.

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Kubas einziges und somit bestes Pils.


Auf unserer Weiterfahrt nach Baracoa machten wir in Guantánamo in zwei weiteren Musikhäusern einen Stopp. Das eine war das „La Tumba Francesa“, ein interessantes Kunstprojekt der Einheimischen, das eine alte Sitte der früheren Sklaven wieder zum Leben erweckt. Gerade die französischen Herrschaften müssen auf die damaligen Sklaven derart beeindruckend bei ihren Bällen gewirkt haben, dass sie deren Tänze und Gebräuche ihrer Herrschaften im Geheimen imitierten. So erschufen sie eine eigene Form der klassischen und steifen Tänze, die an den europäischen Adelshöfen getanzt wurden. Es war heiß und stickig an diesem Tag, aber die Tänzer der Tumba Francesa zelebrierten in langen Kleidern und Anzügen diese steifen Paartänze, knicksten vor einer bei uns zumindest imaginären Königin, da diese kurzfristig erkrankte. Es war kulturell hochinteressant anzuschauen.

 Das zweite war die „Casa del Changüi“, einer Musikform, die gebürtig aus Guantánamo stammt und für seinen besonderen Rhythmus, seine lauten Gesänge, aber auch für seine einzigartigen Instrumente berühmt ist. Tatsächlich waren diese Musiker Profis, die neben ihren Alltagsjobs Auftritte in ganz Lateinamerika bestreiten. Sie waren fantastisch.

Und statt des mittlerweile bereits obligatorischen CD-Verkaufs am Ende einer Musikveranstaltung, hielt der Musikdirektor der Casa del Changüi eine herzergreifende Rede an die Touristen, dass sie hoffentlich sehen, das Guantánamo mehr ist, als die Geschichte um das US Territorium mit seinem Gefängnis.

Im Anschluß machten wir uns auf eine lange Fahrt entlang der Atlantikküste,  Richtung Berge. Die Landschaft ist bezaubernd und man hat wirklich schöne Ausblicke. Jedoch die Gebirgskette „Sierra del Purial“ hat es in sich. Wir fuhren insgesamt 5 Stunden, da unser Bus kaum die steilen Berge hoch kam. Erst dahinter kamen wir nach Baracoa.

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Gebirgskette Sierra del Purial

Nur leider kamen wir schon bei Dämmerung an, weshalb die Stadtbesichtigung unbesprochen ausfiel. Plötzlich kursierte das Gerücht, das unser im Programm genannte Hotel (El Castillo) voll ausgebucht sei und wir in ein zweites Hotel (Porto Santo) fahren würden. Die Stimmung sank bereits. Dann plötzlich platzte die zweite Bombe des Abends. Der für den nächsten Tag geplante Ausflug in den Humboldt Nationalpark „könne man nicht machen“. Der Reiseleiter wisse nicht warum, aber man mache eben mal wieder eine andere Wanderung. Jetzt war die Stimmung völlig im Keller. Viele von uns, mich eingeschlossen, hatten diese Gruppenrundreise nur wegen dem Humboldt Nationalpark gebucht. Ansonsten kann man sich ehrlich gesagt die anstrengende Fahrt nach Baracoa völlig schenken. Da gibt es nichts zu sehen und nur drei Hotels im Umkreis von 50km. Was uns zu unserem anderen Problem zurück brachte. Hotelzimmer! Nummer eins war bereits ausgebucht. Was würde uns Nummer zwei bringen?

Jedoch war der erste Eindruck fantastisch. Es liegt etwas außerhalb von Baracoa und es war bereits fast dunkel, als wir ankamen. Aber der Poolbereich und die Lobby machten einen durchweg guten Eindruck. Nur dann… verschwand plötzlich erneut unser Reiseleiter… Wir fanden ihm am Telefon hängen, was kein gutes Zeichen war. Reiseführer wurden gewälzt. Hotel Villa Maguana war das nächste. Unterdessen kam eine weitere Reiseführerin einer anderen Gruppe, die wir einfach mal fragten, ob es denn Probleme derzeit mit den Wanderungen im Humboldt Nationalpark gäbe… Sie verneinte und bestätigte sogar, dass wir mit dem Bus dort hinfahren könnten. Die Straßen seien nicht gut. Aber einer Wanderung stehe nichts im Weg. Da explodierte die dritte Bombe des Tages… Unser Reiseleiter stand plötzlich in der Lobby und schimpfte die Kollegen energisch in spanisch aus, was ihr denn einfalle, seinen „Kunden Informationen zu geben“. Es ginge sie gar nichts an und sie habe nicht das Recht uns einfach was anderes als er zu erzählen. Nur hatte der nicht mit der gestandenen Kollegin gerechnet. Sie echovierte sich und wurde richtig laut! Die beiden Reiseleiter der gleichen Firma gingen aufeinander los und wir standen daneben und waren völlig ungläubig, was da gerade passierte. Hatte unser Reiseführer uns also Mist erzählt? Nun ist er aufgeflogen und die beiden fetzen sich??? Irrsinn. Es ging mit spanischem Temperament zur Sache, ehe die Kollegin unseren Reiseleiter einfach stehen ließ und abdampfte…

Und als unser Busfahrer hörte, wo er uns als nächstes hinfahren sollte, da auch das Porto Santo kein Zimmer mehr für uns frei hatte, rief der erst einmal seinen Chef an…. Prost Mahlzeit. Das Hotel ist nämlich gute 10km auf Stein- und Standpisten entfernt. Es war dunkel und hatte geregnet. Alles andere als gute Fahrbedingungen! Über eine Stunde zuckelten wir mit ca. 30km über die Pisten…

Bei Nacht machte dieses Hotel Maguana keinen besonders guten Eindruck. Wir hatten fast alle Zimmer im alten Trakt, wir zum Beispiel mit voller Fensterfront zum Parkplatz… über den ab morgens um 4 Uhr ein schreiender Hahn eierte…. Ich könnte den noch heute…! Sowas gehört auf den Teller und nicht in den Hof eines Hotels, wo die Leute ausschlafen wollen! Als wir jedoch am nächsten Tag aufstanden, sahen wir den atemberaubend hübschen Sandstrand direkt vor der Türe… Es war herrlich!

Playa Maguana, Strand, Atlantik, Kuba

Ein Gedanke zu “Mit viel Musik von Santiago de Cuba nach Guantánamo und Baracoa

  1. Womolix schreibt:

    Ja, wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zu erzählen.
    Es klingt für mich ein wenig nach Vergangenheit, nach Kaltem Krieg und …. Ich bin in dieser Zeit groß geworden. Die Stimmung, die Verärgerung, das herrische respektlose Verhalten, das Gefühl, daß einem Informationen vorenthalten werden usw. Erinnert mich an eine Reise als sechsjähriger Junge mit meiner Mutter zu meiner Oma in die DDR.
    Der einzige Unterschied ist, ich habe alles grau in grau in Erinnerung und nicht mit so schönen Fotos wie du sie hier zeigst.
    Ein schöner autentisch er Einblick den du da gibst. Danke…
    LG WoMolix

    Gefällt 1 Person

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