Santiago, Santiago de Cuba, Kuba

Unterwegs nach Santiago de Cuba

Nach Camagüey war Bayamo unsere erste Station. Leider habe ich hier keine guten Erinnerungen dran. Ich war genervt. Super genervt! So langsam hatte ich von unserem Reiseleiter und seinen spärlichen Informationen, aber seiner immer größer werdenden Lustlosigkeit die Nase voll. Die Stadtführungen waren stets ein „Sehen wir hier Laden.“ oder „Diese Statue ist XY, der geboren XY und hat gestorben XY. Hat er viel gemacht für Kuba und ist sehr berühmt und beliebt.“ Am Anfang einer Reise denkt man ja noch, „der hat nur einen schlechten Tag“. Aber die Tage wurden leider immer schlechter und sein Deutsch so kauderwelschig, dass man irgendwann einfach keine Lust mehr hatte. Bayamo war so eine Station, die wieder einmal eine 10 Minuten Stadtrundführung beinhaltete, die dann aber plötzlich in ein „Musikhaus“ führte, was (mal wieder) nicht in unserem Programm zu finden war. Hier wurden wir von einer Musikband erwartet, die völlig kommerziell ein Laientheaterspiel mit Musik inszenieren wollten. Also einer der Gruppe macht sich als „Julia“ vorne auf der Bühne zum Trottel Laienschauspieler, während ein anderer aus der Band dann „Romeo“ ist und sie anhimmelt… Dann werden alle wie im schlechtesten all-inclusice-Club nach vorne gezwungen, um dort sich als Salsa-Tänzer zu blamieren versuchen und während dessen werden Dir wiedermal die obligatorischen Getränke angedreht für 3-5 CUC mit viel Rum, damit Du auch die Druck-Bespaßung lustig findest. Konnte man es herauslesen? Ich hasse sowas. Ich finde es unangebracht, unangenehm, albern, einfach super nervig.

Und dann am Ende kommt:

a) die Rechnung für Deinen Getränkekonsum

b) die obligatorische Bitte, eine CD zu kaufen

c) und die waren geschäftstüchtig und hatten zusätzlich DVDs und T-Shirts

d) am Ende wollten sie dann noch Trinkgeld…

Sorry. Ich ziehe bei solchen Veranstaltungen ein Gesicht, dass Dir ziemlich deutlich sagt, „Sprich mich nicht an, oder….“. Ich habe um solche Touri-Abzocken nicht gebeten. Habe ich nun dennoch gesehen, miterlebt und muss einfach sagen, dass unterstütze ich nicht. Und warte… war der Gitarrist nicht wieder ein entfernter Neffe unseres Reiseführers…?

Nach dem Mittagessen ging es nichts wie weiter. Wir freuten uns auf Santiago de Cuba – bis wir in so ziemlich allen Reiseführern zu lesen bekamen, dass die Leute in der alten Hauptstadt als die unfreundlichsten Kubas gelten. Auch wurde hier das erste Mal eindringlich vor Diebstahl gewarnt. Herrlich. Plötzlich war die Vorfreude wie weggeblasen… Mein erster Gedanke: „Unser Reiseleiter ist aus Santiago de Cuba. Jetzt macht das alles Sinn…“

Auf dem Weg in die ehemalige Hauptstadt (1522-1589) Santiago de Cuba kamen wir an einem Marien-Wallfahrtsort vorbei. Zu Ehren der „Virgen de la Caridad del Cobre“ (Barmherzige Jungfrau von Cobre) wurde eine stattliche Kirche mitten in den Bergzügen der Sierra Maestra errichtet. Sie gilt als die Schutzpatronin Kubas, was gleichzeitig diesen Wallfahrtsort zum heiligsten Platz Kubas macht. Bereits auf dem Weg zur Kirche bieten Blumenhändler gelbe Blumengebinde feil. Nun muss man bedenken, dass die Spanier Kuba christianisiert haben. Davor waren meist Naturreligionen oder afrikanische Religionen und Riten Usus. Wie meist, wenn einem Volk eine neue Religion aufgezwungen wird, verknüpfen die Einheimischen die neue Heiligen einfach mit den Alten. Somit bleiben alte Bräuche weiter erhalten, um den Neuen zu huldigen. Im Falle der heutigen christlichen Maria auf Kuba ist es Oshun, die Göttin der Liebe und des Reichtums, die einfach in der neuen Heiligen weiter verehrt wird. Ihr Element soll Gold sein. Daher brachte man ihr Goldenes als Opfergabe. Heute sind es die gelben Blumen, vorwiegend Sonnenblumen, die diese Opfergabe an Oshun und unsere heutige Maria darstellen.

Santiago de Cuba, Kuba

Santiago de Cuba

Als wir dann endlich in Santiago de Cuba ankamen, war es bereits abends. Wir fuhren durch die zweitgrößte Stadt Kubas direkt zu unserem Hotel. Casa Granda – ein ehrwürdiger Name, der zu dem Haus auch wirklich passt. Eine tolle koloniale Terrasse empfängt den Gast. Rattanmöbel, Palmen, Zigarren, Mojitos wohin das Auge blickt. Und dann nimmt das Disaster seinen Lauf… Ich habe es bei meinem ersten Bericht zu unserer Kuba Rundreise bereits kurz angeschnitten. Da Hendrik und ich nicht in Deutschland, sondern in den USA leben, ist das schlimmste, das uns auf Kuba hätte passieren können, der Verlust unserer Pässe gewesen. Nun denn…. Wir kommen also im Hotel an. Unser Reiseleiter geht an die Rezeption, um den Check-In zu machen. Parallel geben wir, zumindest dachten wir das, unsere Pässe ab, was für Hendrik und mich jedesmal ein innerer Kampf war. Und dann hieß es warten. Plötzlich war der Reiseleiter samt Pässe verschwunden. Plötzlich ist der Busfahrer verschwunden. Eine Stunde zieht ins Land. Die zweite Stunde ist fast vorbei… da taucht der griesgrämige Reiseleiter auf und sagt, dass wir keine Zimmer in diesem tollen Hotel hätten und weiter müssen. „Hallo! Müssen fahren. Keine Zimmer!“. Alle waren ziemlich am Limit. Im Bus meinte dann unser Reiseleiter so ganz nebenbei, er habe nicht alle Pässe. Aber wir (die Gruppe) hätten sie ihm sie ja schließlich auch nicht gegeben. Entsetzen machte sich auf meinem Gesicht breit. Ein beherzter Mitreisender nahm ihm kurzerhand die verbliebenen Pässe aus der Hand, las die Namen der vorhandenen Pässe vor und siehe da – wer war nicht mit von der Partie? Ich bin ausgeflippt. Nicht nur sprichwörtlich. Das war mein schlimmster Alptraum. Kuba mag ja Palmen haben, Meer, Wetter – aber ich hatte schon in Santa Clara am dritten Tag Heimweh. Hier? Bleiben??? Die Reise abbrechen, nach Havanna kommen, Botschaften besuchen und evtl. nicht nachhause reisen zu können????? Es tut mir leid – ich bin ausgeflippt. Verzweifelt versuche ich dem Reiseleiter klarzumachen, was für eine Katastrophe das für uns ist, da wir in den USA leben… Stattdessen macht der Kerl uns Vorwürfe und nennt uns Lügner. Herrlich! Deeskalation ein Fremdwort! Es kommt, wie es kommen muss. Hendrik, ich und der Reiseleiter brüllen uns an, suchen im Hotel nach den Pässen und ganz am Ende kommt raus – wir haben sie tatsächlich nicht abgegeben, weil er da schon hinter den Kulissen verschwunden war, als wir die Pässe ihm geben wollten. Ein wirklich vermeidbarer peinlicher Auftritt… Aber umso mehr habe ich für mich gespürt, Kuba ist nicht mein Land. Hier wollte ich in keinem Fall einen Flieger später nachhause nehmen…

4 Gedanken zu “Unterwegs nach Santiago de Cuba

  1. La Giù~Lia schreibt:

    Oh jeeee, was für ein Desaster! 😦
    Ich bin nur trotzdem froh für Euch, dass alles – trotz erheblichem Peinlichkeitsfaktor – ein Missverständnis war und sich am Ende in Wohlgefallen aufgelöst hat…

    Auch wenn die Reise für Euch enttäuschend war, die Bilder sind toll! (Sieh es so: Jetzt habt Ihr den Vorteil, dass Ihr Euch schon ein wenig auskennt und somit – solltet Ihr Kuba nochmal eine Chance geben (wollen) – nicht auf zwielichtige Reiseleiter und Massenabfertigung angewiesen seid…)

    Gefällt 1 Person

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