Plaza de Armas, Havanna, Kuba

Rundreise Kuba – ein spannendes Abenteuer mit vielen Facetten

Die Sensation geht um die Welt – Obama lässt kurz vor seinem historischen Besuch auf Kuba verkünden, Amerikaner dürfen endlich wieder Kuba bereisen! Erstmalig sind wieder private Reisen möglich. Auch dürfen wieder Dollars in den kubanischen Verkehr kommen und Geldtransfer zwischen den Ländern stattfinden. Schon in den letzten 6 Monaten konnten man spüren,  die USA und Kuba stehen vor einer Veränderung ihres Verhältnisses. Wer vor diesem historischen Umschwung Kuba noch einmal so erleben will, wie nach der Revolution, muss jetzt hin. Nun kann ich als Deutsche, die in Kalifornien lebt, persönlich nichts gegen Amerikaner sagen. Sie haben ihre Ecken und Kanten, wie jede Nationalität. Dennoch wollte ich ein Land, dass unter Amerikas Embargo steht, bald stand (und leidete), nicht mit Amerikanern bereisen, da ich vermutete, dass Amerikaner nach all den Änderungen eine andere Behandlung erfahren. Wir suchten die „Wahrheit“ bzw. die Offenheit der Kubaner. Ob wir sie fanden… ihr werdet es lesen.

Unsere Rundreise ging insgesamt 14 Tage. 12 Tage hiervon waren mit einer kleinen Reisegruppe, kubanischem Reiseleiter und Busfahrer, die anderen zwei Tage waren Strand und nochmal Havanna. Die Route ging einmal über fast die komplette Insel. Über die Organisation und die Gruppenreise an sich sage ich noch an anderer Stelle etwas.

Route, Rundreise, Kuba,

Unsere Spanisch-Kenntnisse sind leider nicht der Rede wert. Daher hatten wir uns dieses Mal für eine geführte Rundreise entschieden. Die Route umfasste unter anderem meine persönlichen Highlights HavannaViñales, Trinidad, Santiago de Cuba, Guantánamo und den Humboldt Nationalpark, aber auch noch einige andere Stationen, die ich in weiteren Posts noch vorstellen werde.

Zu unseren fehlenden Sprachkenntnissen macht es ein sozialistischer Staat dem Individual-Touristen nicht unbedingt einfacher. Und in unserem Fall wird es sogar noch mal komplizierter. Wir haben amerikanische Mobiltelefon-Anbieter. Diese werden jedoch auf Kuba nicht unterstützt. Das heißt ganz einfach kein Netz. Keine SMS. Kein Anruf. Kein gar nichts. Internet gibt es nur, wo es öffentliches WiFi gibt, welches wir zwar mit einer Internetkarte hätten kaufen können. Aber wenn es Internet eh nur auf dem öffentlichen zentralen Marktplatz gibt, bringt mich das im Notfall auch nicht weiter.

Kuba führt zwei Währungen. Die eine, der nationale Peso (CUP), ist den Einheimischen vorbehalten, die andere Währung, CUC (Peso convertibel) den Touristen. Hier macht es sich der Kubaner leichter. Fast 1:1 wird der Euro gewechselt. Die Kaufkraft ist jedoch ähnlich. Für ein so armes Land wie Kuba eine fast abnorme Luxus-Währung und ein klarer Schritt in eine Devisen-Apartheid. Ein lokales Bier kostete im Restaurant 2,50-3 CUC (was dem Euro entspricht). Ein Mojito kostet das ebenfalls. Jedoch sollte man hier wissen, eine ganze Flasche Rum kostet eben auch nur im Laden um die Ecke 6 CUC. Für Nicht-Kubaner sehr günstig. Jedoch sind Luxusgüter nur in der Touristen-Währung CUC zu kaufen. Benzin zum Beispiel, aber auch Seife, Toilettenpapier, Shampoo. Menschen, die keinen Zugang zu dieser Währung haben, wie Bauern oder Fabrikarbeiter, müssen entweder diese Produkte eintauschen, erbetteln oder werden nie an derartige Produkte kommen. Immer wieder wurden wir unterwegs nach Shampoo gefragt, Kugelschreiber oder auch einfach Seife. Die Menschen können sich nicht einmal die Grundhygiene ermöglichen, was uns schon sehr zu denken gab. Zwar subventioniert Kuba Lebensmittel und andere Güter. Jedoch reicht auch das meist nicht aus. Unser Busfahrer verdient zum Beispiel im Monat 15 EUR. Der Rest ist Trinkgeld und das Mitnehmen von Seife, Shampoo, etc. in den Hotels, die er dann eintauschen kann. Während der Rundfahrten ist eh alles für die Fahrer und den Touristenführer inkludiert. Daher ist es über den Daumen gepeilt kein schlechtes Gehalt. Jedoch kann man sich auch nichts leisten, denn ohne den CUC gibt es eben nur das, was in einem sozialistischen System gerade da ist. Und das heißt auch, Rindfleisch gibt es nur für Touristen oder vom Arzt auf Rezept. Kein Scherz!

Ein weiteres Problem war überhaupt die Bargeld-Versorgung. Es gibt auf Kuba nur wenige Bankautomaten, die jedoch auch wieder nur für nicht-amerikanische Karten funktionieren. Visa-Karten oder Debit-Cards von amerikanischen Banken werden von vorneherein abgelehnt. Also kein Bargeld für uns, ohne deutsche Visa-Karte. Wer jetzt denkt, man könne in Hotels oder Restaurants mit Visa bezahlen, irrt sich leider. Wir haben in den gesamten 14 Tagen nur 2 Mal mit Karte zahlen können. Ansonsten mussten wir immer irgendwie Bargeld organisieren. Und auch hier bitte keine Dollars zum Wechseln bringen. Dafür müsste man Straf-Wechselgebühren bezahlen. Euro ist hier die harte Währung, die in den CUC (Peso convertibel) gewechselt werden muss.

Kuba ist an sich ein wirklich schönes Land. Tolle Landschaften, wunderschöne Strände. Jedoch ist es wirklich nicht ganz ohne, hier zu reisen. Spanisch sollte man zumindest in den Grundzügen können. Polizeikontrollen, von denen mir jedoch nicht klar ist, ob sie nur LKWs kontrollieren oder auch Privatfahrzeuge. Korruption ist ganz sicher ein Thema. In manchen Städten gibt es durchaus Diebstähle. Gerade in Santiago de Cuba wird man immer wieder gewarnt. Die fehlenden bilateralen Beziehungen mit einigen Ländern machen es noch zudem etwas schwieriger. GPS gibt es nicht. Google Maps? Vergesst es!

In unserem Fall gab es einmal eine Situation, in der wir dachten, unsere Pässe seien weg. Nun sind wir Deutsche, die in den USA mit einem Arbeitsvisum leben. Im ersten Moment dachte ich, die Pässe sind weg und ich müsse jetzt zurück nach Havanna, die deutsche Botschaft besuchen und mit Ersatzpapieren zur US-Botschaft, die seit ca. 5 Monaten wiedereröffnet ist, um mein Einreisevisum erneut zu erhalten. Heute weiß ich – Pustekuchen. Wir hätten nach Havanna fahren müssen, um dort deutsche Ersatzpapiere zu erhalten, die die Amerikaner jedoch nicht akzeptieren. Das hätte geheißen, zurück nach Deutschland, bei Freunden oder Familie wohnen. Einen neuen Reisepass per Express bestellen. Mit diesem in Berlin zum US-Konsulat gehen, das Visum erneut beantragen (!) und dann warten, bis es erteilt wird. In Summe wären wir auch knapp 3-4 Wochen Zwangsaufenthalt in Berlin gekommen. Also noch viel schlimmer, als ich es sogar noch befürchtet hatte. Ich war so schon völlig ausgetickt, aber nachdem ich heute weiß, wie schlimm es uns wirklich getroffen hätte… Wir geben definitiv unsere Pässe nicht mehr so schnell aus der Hand.

Alles in allem war ich überrascht, wie wenig mir klar war, was Sozialismus wirklich bedeutet. Dabei habe ich die DDR noch vor Mauerfall erlebt und war auch einigermaßen belesen über Kuba. Dennoch sind die Zustände vor Ort deutlich chaotischer und für die Menschen schwieriger und trauriger, als ich erwartet hatte. Die Schere klafft immer mehr auseinander und auch wenn sich unter Raúl Castro einiges ändert – ich bin mir nicht sicher, ob es noch rechtzeitig kommt. Man muss abwarten, was Obama noch bewegen kann und was die Gegenleistungen sind, die Kuba erbringen soll. Der zunehmende Tourismus wird meiner Meinung nach für Kuba derzeit eher schädlich sein. Zwar spülen die Ausländer viele Devisen ins Land, die Kuba ansonsten niemals erwirtschaften könnte. Jedoch bringen diese Ausländer auch Erwartungen mit, die Kuba derzeit einfach nicht erfüllen kann. Der Druck wird wachsen – einmal von den Touristen und Agenturen, aber auch von den Einheimischen, die noch stärker miterleben werden, was sie alles nicht haben. Eine Zerreißprobe für Kuba? 

Ich habe hier ein eBook gefunden, das ich gerne jedem Interessierten ans Herz lege. „Havanna: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“ von Gerhard Drekonja Kornat.

13 Gedanken zu “Rundreise Kuba – ein spannendes Abenteuer mit vielen Facetten

  1. Womolix schreibt:

    Ein wirklich beeindruckender Bericht. Da sehe ich mal wieder wie Wie durch unsere gesteuerten !?!? Medien mit einem sürealen Meinungsbild manipuliert werden.
    Ich kann nur immer wieder sagen: Glaube nichts, was du nicht selbst gesehen hast und selbst dann bleibe kritisch.
    VG WoMolix

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  2. Marcel schreibt:

    Hallo,

    ich studiere seit August 2015 in Havanna und habe einige sachliche Anmerkungen zu dem Bericht.

    „Ein lokales Bier kostete im Restaurant 2,50-3 CUC (was dem Euro entspricht). Ein Mojito kostet das ebenfalls. Jedoch sollte man hier wissen, eine ganze Flasche Rum kostet eben auch nur im Laden um die Ecke 6 CUC.“

    > Hierzu muss man hinzufügen, dass Kubaner nicht in solchen Restaurants essen gehen. In den meisten Caféterias in Moneda Nacional kostet das Bier 35 Pesos, in staatlichen Läden 25 Pesos bzw. 1 CUC. Generell geht man in Kuba jedoch selten essen und Mojitos mischt man sich ebenfalls zu Hause. Rum gibt es günstig in der Bodega ab 30 Pesos für 0,7 Liter. Lediglich die edleren Tropfen wandern für 6 CUC über den Ladentisch.

    „Jedoch kann man sich auch nichts leisten, denn ohne den CUC gibt es eben nur das, was in einem sozialistischen System gerade da ist.“

    > Was die Löhne angeht, so muss man hinzufügen dass viele Kubaner Zugang zum Schwarzmarkt haben, in dem andere Preise gelten als in den Läden die man als Tourist in Anspruch nimmt. Viele Kubaner haben neben ihrem Job ein „Negocio“ am laufen, so dass die Aussagekraft der staatlich ausbezahlten Löhne relativ gering ist. Hinzu kommen die 500.000 Cuentapropistas die im Privatsektor oft mehrere hundert Dollar nach Hause bringen – wovon dann ebenfalls ganze Familien leben. Nicht zu vergessen sind hierbei auch die 3 Mrd. Überweisungen von im Ausland lebenden Familien, die jedes Jahr ins Land fließen.

    „Rindfleisch gibt es nur für Touristen oder vom Arzt auf Rezept. Kein Scherz!“

    > Tatsächlich gibt es Rindfleisch häufig in Devisenläden zu kaufen. Die Preise sind zwar horrend, aber man muss kein Tourist sein, um derartige Produkte zu erwerben.

    „Ein weiteres Problem war überhaupt die Bargeld-Versorgung. Es gibt auf Kuba nur wenige Bankautomaten, die jedoch auch wieder nur für nicht-amerikanische Karten funktionieren. “

    > Ein Problem, dessen Lösung von amerikanischer Seite abhängt.

    „GPS gibt es nicht. Google Maps? Vergesst es!“

    > Stimmt nicht. GPS ist ein weltweites System, das auch in Kuba empfangen werden kann. Mit Hilfe der Offline-Maps App „Maps.me“ kann man beispielsweise in ganz Kuba mit GPS und detaillierter Karte navigieren.

    Kuba ist ein enigmatisches Land, in dem sich die wenigsten Dinge dem geneigten Touristen innerhalb einiger Wochen erschließen. Vieles was zunächst rätselhaft erscheint, hat bei näherer Betrachtung eine logische Erklärung. Ich hoffe ich konnte etwas zur Aufhellung beitragen.

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    • Nadja schreibt:

      Hallo Marcel, danke für Dein Kommentar. Genau diese Insider Infos haben mir bei unserer Rundreise sehr gefehlt. Daher erhebe ich gar nicht den Anspruch auf Vollständigkeit in meinem Bericht und freue mich über Feedback.
      Dass Einheimische ganz andere Preise zahlen, war mir bewusst. Ich denke es ist wichtig für Besucher zu verstehen, wo sie sich preislich bewegen und nicht nur den westlichen Vergleich sehen.
      Rindfleisch sah ich nie auf einem Markt und unser Guide meinte, dass es das auch nur für Menschen gäbe, deren Arzt es aus diätetischen Gründen verschrieb. Dass es gegen CUC fast alles gibt, sofern es gerade überhaupt da ist, erklärt auch, warum jeder versucht an diese Währung zu kommen. Nicht anders als mit der DM und dem Intershop.
      Ich hatte kein Straßenkartenmaterial gefunden. Super Tipp!
      Obama hat gestern alle Beachränkungen im Devisenmarkt aufgehoben. Damit sollte dem Bargeldvorrat, sofern die Infrastruktur im restlichen Land steht, nichts mehr im Wege stehen.

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      • Marcel schreibt:

        Danke für Deine Antwort. Vieles kann man hier tatsächlich erst nach langer Zeit herausfinden bzw. lernen, Kuba ist wirklich ziemlich komplex und mir selbst fallen hier und heute noch jede Menge neue Dinge auf, die ich nach all den Monaten noch nicht verstanden habe. Eine Ergänzung habe ich jedoch noch zu machen:

        Mittlerweile kann man in fast allen Devisenläden auch in Moneda Nacional bezahlen, weshalb der CUC an Bedeutung verliert. Im Prinzip ist es relativ egal, ob ich 25 Pesos oder 1 CUC in meiner Tasche habe, ich kann mir damit das selbe an den selben Orten kaufen. Das Problem mit den Reallöhnen wird damit zwar nicht gelöst, aber zumindest kann man nicht von einer „Devisenapartheit“ sprechen, zumal jeder Kubaner in der CADECA seine Pesos in CUC umtauschen kann und umgekehrt.

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      • Marcel schreibt:

        Der CUC war ursprünglich dazu da, um Devisen abzuschöpfen und die Devisenströme zu kontrollieren, mittlerweile hat er sich jedoch überlebt und es gibt einen Plan zu seiner Abschaffung. Man rechnet in diesem oder im nächsten Jahr damit. Dann wird der Peso Cubano das einzige Zahlungsmittel im Land sein.

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      • Nadja schreibt:

        Ich bin da hin und her gerissen. Die jetzige Armut und Mangelwirtschaft ist kein Zustand für die ländliche Bevölkerung. Sie können sich kaum mehr finanzieren. China hat viel Geld investiert, was meiner Meinung nach Kuba auch stark verändert. Es wäre zu wünschen, sie könnten sich ihre Unabhängigkeit bewahren. Aber ohne finanzielle Mittel bricht die Gesellschaft auseinander.

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