Longyearbyen Svalbard

Silvester in Longyearbyen, Spitzbergen (Svalbard)

Nachdem wir pünktlich in Düsseldorf mit AirBerlin starteten, machten wir uns mit insgesamt 117 Passagieren auf unsere Expedition nach Longyearbyen, dem Hauptort auf Spitzbergen.

Unser Expeditionsmaskottchen!

Unser Expeditionsmaskottchen!

Es war der erste Linienflieger, der sich in der Polarnacht wagte, die Reise nach Longyearbyen anzutreten. Der Flug dauert nur etwas über 4 Stunden. Im Sommer bei Sonnenlicht fliegt SAS mehrfach pro Woche. Jedoch während des Jahreswechsels ist Polarnacht auf Spitzbergen und somit absolute Dunkelheit. Während dem Flug hatten wir das phänomenale Erlebnis live mitzuerleben, wie wir von strahlendem Sonnenschein über den Wolken in die Polarnacht hinein flogen.

Polarnacht Grenze

Schwierig zu fotografieren… Aber hier geht der Tag in die Nacht langsam über.

Polarnacht Grenze Svalbard

Und hier kommt der Tag auf unserem Rückflug langsam zurück.

Der Übergang von Tag zu Nacht war eine örtlich sichtbare Grenze, die mich sehr faszinierte. Es ist nicht wie der Untergang der Sonne, der sich horizontal abspielt. Man hat eine vertikale, leicht gekrümmte Grenze, die den Tag in die Nacht übergehen lässt. Während diesem für mich spektakulären Moment kam plötzlich eine Durchsage. „Liebe Passagiere, wer auf der rechten Seite sitzt, hat soeben die einzigartige Chance mittägliche Polarlichter am Himmel tanzen zu sehen!“ Ein Raunen geht durch den gesamten Flieger und die binnen eines Herzschlags waren alle Fenster mit neugierigen Köpfen bedeckt. Und wer saß ganz links am Fenster? …nichts zu sehen… Keine Chance. Ich war wirklich enttäuscht. Doch dann ertönte erneut die Stimme über die Lautsprecher und noch während ich es hörte, sah ich es. „Nun zeigt sich das seltene Phänomen auch links! Normalerweise können sie Nordlichter um diese Uhrzeit nur äußerst selten beobachten!“, denn es war 13:30 Uhr! Das Nordlicht leuchtete grün am stockdunklen Himmel. Es ist wie ein leicht grünlich schimmernder Nebel, der sich konstant bewegt. Die Intensität des Leuchtens verändert sich ständig und dieser Schwaden grünen Lichtes oder Nebels tanzt regelrecht am Himmel. Es ist derart magisch und auch beruhigend, dass ich mir sehr gut vorstellen kann, warum Wikinger und andere Urvölker dachten, grünes Nordlicht sie ein gutes Omen der Götter. Das Schauspiel dauerte leider nur einige Minuten. Und mit noch größerem Bedauern muss ich sagen, es war unser einziges Erlebnis dieser Art auf unserer Reise. Die Bewölkung und der Schnee ließen keine zweite Sichtung zu. Fotos haben wir daher leider auch nicht, da wir nicht das richtige Objektiv auf der Kamera hatten. Jedoch werden wir noch Fotos von dem mitreisenden Profi-Fotografen erhalten, die wir hier eventuell nachreichen werden.

Camp Barentz,  Longyearbyen, SvalbardWir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter, denn es hatte nur -3°C. Normalerweise kann es ohne weiteres auch -30°C auf Svalbard (der norwegische Namen der Inselgruppe) geben. Nach unserer Landung kurz nach 14 Uhr fuhren wir mit Bussen durch die stockdunkle Nacht zu unserem Hotel FunkenSpitzbergen SchuhregalÜbrigens müssen alle Besucher ihre Schuhe ausziehen. Das gilt für Staatsgäste, wie auch für normale Besucher eines Wohnhauses. In unserem Hotel sah das dann schon mal leicht chaotisch aus. Das weitere Programm hatte ich schon mal in unserem früheren Beitrag zu Silvester auf Spitzbergen genauer beschrieben. Die große Gruppe von 117 Personen teilte sich über drei Busse auf und jeder fuhr in unterschiedlicher Reihenfolge die Programmpunkte an.

Camp Barentz, Svalbard

Camp Barentz, SvalbardZuerst ging es zum Camp Barentz, wo wir einen interessanten und auch lustigen Vortrag über Eisbären bekamen. Die Hütte war absolut urig und gemütlich. Hier starten normalerweise die Husky Schlittentouren. Kaum ausgestiegen sahen wir direkt am Camp Spitzbergen Rentiere! Sie sind deutlich kleiner als ihre Artgenossen am Festland und auch deutlich zutraulicher.Rentiere Camp Barentz, SvalbardScheu vor der „Stadt“ mit ihren 2.000 Einwohnern kennen die Rentiere nicht. Sie streifen durch das gesamte Adventdalen auf der Suchen nach Fressbarem. Da stören die paar Menschen sie nicht weiter. Unser deutscher Guide, der selbst drei Jahre in Longyearbyen gelebt hatte, meinte, die Rentiere würden ihn an kleine Schweine erinnern. Nun… ich kann mir schon vorstellen, warum sie den Einheimischen wie unsere Wildschweine vorkommen.

Camp Barentz, SvalbardCamp Barentz SvalbardCamp Barentz, SvalbardCamp Barentz, SvalbardAuf der Fahrt zurück nach Longyearbyen hielten wir klassisch an einem der weltweit zwei existierenden Warnschilder, dass uns auf die Gefahren durch freilaufende Eisbären aufmerksam machen soll.

Warnschild Eisbär

Zwei Eisbären Warnschilder existieren weltweit.

Eisbär Warnschild Flughafen Longyearbyen Svalbard

…und wir sahen beide!

Auch wenn die Population der Eisbären leider immer noch gefährdet und abnehmend ist – es leben hier mehr Eisbären als Menschen! Und sie sind alles andere als kuschlige Teddys. Daher ist jeder, der die Stadt verlassen will grundsätzlich mit einem Gewehr bewaffnet. Zwar darf der Mensch einen Eisbär nur in äußerster Gefahr wirklich erschießen. Jeder Vorfall wird staatlich überprüft und protokolliert. Grundsätzlich haben die Eisbären kein Interesse, Menschen auf ihre Speisekarte zu setzen.
Husky Gehege Svalbard
Aber wenn die Bedingungen schlecht sind, kommt es wohl schon mal vor, dass Eisbären in die Husky-Gehege einbrechen und deren Frischfleisch klauen. Die draußen lebenden Nutztiere (ja, das sind wirklich auch keine Kuscheltiere) sind in großen Freilaufgehegen untergebracht und werden wieder deutlich verstärkt als Transportmittel eingesetzt. Zwar gibt es auch zu Haufen Schneemobile. Aber wer so deutlich die Veränderungen des Klimawandels ausgesetzt ist, ändert schneller als wir seine Lebensgewohnheiten. Schlittenhunde sind wieder deutlich mehr im Gebrauch und fast jeder auf Spitzbergen unterhält ein Rudel oder mietet es sich bei Bedarf. Sei es nun Hobby oder wirklich notwendiges Fortbewegungsmittel – der Schlittenhund hat wenig mit unseren heimischen Dackeln oder Schäferhunden gemein. Und wenn ihr mich fragt, ist der Husky auf Spitzbergen im Zwinger immer noch besser dran, als bei uns im Körbchen am Kamin…

Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die Innenstadt von Longyearbyen gingen wir wieder ins Hotel. Gut. Ausgiebig scheint angesichts der 20 Minuten etwas übertrieben. Dennoch darf man nicht vergessen, dass sich auch -3°C bei Wind äußerst kalt anfühlen. Die Innenstadt hat einige sehr hübsche Geschäfte, viel praktische Geschäfte (Winterausrüstung, Skigeschäfte, etc.) aber auch das eine oder andere wirklich sehr hübsche Restaurant und Hotel. Man sieht, der Tourismus hält schon seit einiger Zeit Einzug in diese entlegene Region. Die Innenstadt ist aber auch durch die besondere Farbgestaltung der Häuser sehr hübsch. Zum einen müssen alle Häuser auf Spitzbergen auf einem Holzgerüst stehen, da die ansonsten abgegebene Wärme den darunter liegenden Permafrost auftauen würde. Dadurch würde der Boden morastig werden und das Haus somit instabil stehen. Zum anderen müssen sich jedoch die Häuser im Anstrich an ein vorgegebenes Farbkonzept halten. Jedes Haus bekommt seine eigene Farbe zugeordnet. Im gesamten Ort, der übrigens aus Verwaltungssicht noch heute eine Institution und keine Gemeinde ist, gibt es keine Straßennamen. Die Häuser unterscheiden sich durch ein Nummern und eben durch ein Farbsystem.

Nach einem wirklich fantastischen 4-Gänge-Dinner in unserem Hotel (Jacobsmuschel, Schneehuhn, Heilbutt oder Rentier, Neujahrskuchen) gingen wir gemeinsam hinaus um das Feuerwerk zu sehen. Was ich jedoch vorher nicht wusste – die meisten Einwohner der „Stadt“ flüchten am Wochenende oder an Feiertagen auf entlegene Hütten. Wir haben das schon auf dem Norwegischen Festland gesehen, dass es unwahrscheinlich viele entlegene einsame Hütten gibt, mit spartanischer Ausstattung mitten im Wald. Die Norweger lieben es, sich mit ihren Freunden oder Familie oder beidem in die Natur zurückzuziehen und unter sich zu sein. Das ist sicher sehr schön! Nur war das für uns an Silvester plötzlich ziemlich einsam. Silvester Longyearbyen SpitzbergenSilvester SpitzbergenIm gesamten Ort konnte man, neben uns selbst, nur 4 Stellen ausmachen, von denen aus Silvesterraketen abgefeuert wurden. Zum Glück hatten unserer Reiseorganisatoren einige Böller, Raketen und Wunderkerzen eingepackt, so dass wir zu unserm Gläschen Champagner auch etwas zu schauen hatten. Fand ich es schön… nun… zum einen hasse ich es in Berlin, dass die Leute stundenlang ballern und sinnlos Dinge explodieren lassen. Noch heute am 2. Januar scheint immer noch jemand einen Böller zu finden, den er in der nächsten Toreinfahrt zünden muss. Von daher fand ich ein so ruhiges Silvester eigentlich sehr schön. Silvester SpitzbergenSilvester SpitzbergenZum anderen hat es mir in diesem Moment auch nochmals klar gemacht, wie weit wir im Norden und am Ende der Welt waren! Es war stockfinstere Nacht. Es war eisig kalt, Schnee lag und um uns herum die Unwirklichkeit der Arktis. Aber hier standen 117 Menschen mit Champagner im Glas und ballerten sich aus 2014. Es war skurril. Wir wurden mit einem AirBerlin-Flieger wie Massentouristen an einen der entlegensten Orte der Welt geflogen, feierten dort unter schon fast dekadenten Umständen Neujahr, während sich die Einheimischen vor dem Stress in weit entlegene Hütten flüchten und uns in ihrer kleinen Stadt alleine ließen…

Spitzbergen Flughafen

Anzeigentafel Flughafen Longyearbyen – viel los!

Vielleicht merkt ihr es meinem Post an.. Ich bin etwas nachdenklich geworden. Dieser Trip war zum einen phänomenal und einzigartig. Noch nie habe ich ein Nordlicht gesehen und es hat mich tief beeindruckt. Ich war noch nie auf Spitzbergen und frage mich heute nach unserer Rückkehr, ob es auch so gut ist, diesen Ort für Tourismus zu erschließen. Der Mensch ist hier nicht an der Spitze der Nahrungskette. Diese Inselgruppe ist fest in Hand der Tiere und der Natur. Wir sind nur Zuschauer. Wenn mehr Menschen dorthin reisen, verändert sich das gesamte Ökosystem. Wir können bereits jetzt einen starken Wandel des Klimas und des Ökosystems auf Svalbard sehen. Wozu müssen wir diesen weltweiten Wandel noch weiter vorantreiben und noch mehr Menschen vor Ort karren. Ich war einer davon. Wozu? Was finde ich auf Spitzbergen, was ich nicht auch am Nordkapp finden kann? Eisbären… die wir durch unsere Anwesenheit nur Gefahren aussetzen. Unberührte Natur, die wir jedoch durch unseren Hunger nach „Unberührtem“ nur weiter zurückdrängen. Ich bin ehrlich. Stand heute würde ich diese Reise nicht erneut unternehmen. Es war toll. Es war ein wunderschöner Abend. Aber den hätte ich auch ehrlich gesagt überall auf der Welt haben können. Spitzbergen sollte kein Ziel für Massen werden. Es ist ein Ort für Tiere, für Naturphänomen, für einsame Ecken ohne Menschen. Der Kohleabbau hat schon viel der ursprünglichen Landschaft zerstört und nachhaltig verändert. Wenn jetzt noch der Tourismus dazu kommt, leben hier bald mehr Menschen, als Eisbären und viele dieser einzigartigen Landstriche werden verschwinden. Dieser Preis ist mir ehrlich gesagt zu teuer für diesen vergänglichen Abend in der Arktis…

Wer noch mehr über außergewöhnliche Silvestererlebnisse lesen möchte, findet bei der Blogparade von Steffi hier mehr.

Ein Gedanke zu “Silvester in Longyearbyen, Spitzbergen (Svalbard)

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